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Der jüdische Student · 1930-08-01 · Heft 7-8 (August 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 7-8 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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wahrscheinlich weiterhin nehmen wird, kann uns doch Schwierigkeiten machen. Denn wenn wir immer betont haben, daß dem Menschen eine staatsfreie Sphäre bleiben müsse; daß der Staat kein Recht habe, alle Lebensäußerungen seiner Bürger zu kontrollieren und zu bestimmen, und wenn wir dies mit dem Hinweis auf die Entwicklung des Minderheitenrechtes in den mittel- und osteuropäischen Staaten noch unterstützen, so steht dem doch die Tatsache gegenüber, daß die in Bildung begriffenen neuen konservativen Gruppen, die die Führung in Deutschland an sich zu reißen im Begriffe stehen, im Gegensatz dazu einer Staatsauffasung huldigen, die den Staat zum Gefäß aller Lebensvorgänge machen, den Staatsbürger in ungleich stärkerem Maße als bisher in den Staat einfügen will und in diesem Staat alles andere sieht, nur nicht einen Zweckverband* Es hieße den Kopf in den Sand stecken, wollte man nicht zugeben, daß hier Gefahren von nichtjüdischer Seite drohen, denen die gegenwärtige zionistische Argumentation nicht gewachsen ist. Keine Rede kann davon sein, daß wir irgendwie von unserem grundsätzlichen Standpunkt abgehen; aber die Terminologie dürfte doch wohl schwer standhalten. Es muß auch darauf hingewiesen werden, daß das, was heute auf den Universitäten und Hochschulen an geistig regsamer Studentenschaft vorhanden ist, diesen neuen volkskonservativen usw. Staatsideologien anhängt und immer mehr anhängen wird» Eine prinzipielle Verständigung mit ihnen dürfte nicht schwer fallen, da beide — wir und sie — die Volkspersönlichkeit als Wert akzeptiert haben. Aber die Staatsauffassung ist ein Problem, das Diskussionen jedenfalls noch nötig machen wird. Walter Groß (V.J.St. Königsberg — V.J.St. Heidelberg a.B.). * Das Camp war gut Ueber das Camp gibt es bei allen Teilnehmern nur eine Meinung. Es ist ausgezeichnet gelungen. Sein Ergebnis: zionistische Anregung, Herausarbeiten der Kartellprobleme und die Förderung persönlicher Verbundenheit ist bereits in den Tagen des Zusammenseins in Erscheinung getreten und wird bei allen Teilnehmern weiterwirken. Die Vorträge von Kanowitz, Wolf und Gerling — besonders Kanowitz' Vortrag von glänzender Form — fanden gespannte Aufmerksamkeit. Die Diskussion beschäftigte sich aber —-und das zeigt die Bedeutung des Problems für das K.J.V. — ausschließlich mit den von Wolf angeschnittenen Fragen der persönlichen zionistischen Zielsetzung. Diese Debatte stand auf hohem Niveau: Keines der .Schlagworte, die heute die zionistische „Innenpolitik" aufpeitschen ,~>irur die brennende Frage nach der persönlichen Verbindung mit ^Palästina. Die J^itiscK« Betrachtung Wolfs begegnete stürmischer Ablehnung, die ^vonrmnbeirrbarem Willen zur restlosen Erfüllung des persönlichen zionistischen Ideals getragen war. Auch dort, wo diesem Willen die Einsicht in die harte Wirklichkeit entgegensteht, reißt er uns mit. Selbst wo diese Jungens Unrecht haben und ungerecht sind, haben sie in einem höheren Sinne Recht. Das Recht, ihr Ideal uneingeschränkt erfüllen zu wollen. Das Leben bringt 9

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