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Der jüdische Student · 1930-08-01 · Heft 7-8 (August 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 7-8 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Das Programm des Brith Sdialom Es geht nicht an, die Frage der jüdisch-arabischen Verständigung in einer knappen Seite zu behandeln, wie es im Juliheft des J.St. geschehen ist. Eine aphoristische Erledigung ist durchaus nicht am Platze. Ich verzichte deshalb auf eine Polemik. Nur eine Bemerkung sei mir gestattet: Das große leidenschaftliche jüdische Volk wird für das Programm, der Ersetzung eigener Rechte durch fremde, anempfundene Rechte auch nicht den kleinen Finger rühren? Will Schloß sagen: Fremde Rechte darf man nicht empfinden? Wenn man sie empfindet, sind sie „anempfunden", d. h. unecht? Oder sind die Rechte der Araber etwa unecht? Uebersieht der Verfasser, daß ein Recht gemeinhin auch eine Macht bedeutet? Und daß es der größte Fehler war, den wir machen konnten, die Macht der Araber zu ignorieren? In jenem Satze von den anempfundenen Rechten steckt ein großes Maß von Hypernationalismus und politischer Kurzsichtigkeit. Martin Bab, V.J.St. Hasmonaea, Breslau. * Wenn man nach der Lektüre der kurzen Ausführungen Babs versucht, die Empfindungen, die sie hervorrufen, in sich zu verdichten, so werden viele den Eindruck haben, daß Bab in seinem Glauben an, die „Gerechtigkeit" des Baseler Programms erschüttert ist. Wir wollen ein jüdisches Palästina, weil wir es brauchen. Wir brauchen es für die 3 Millionen Juden, die im Osten zuviel sind — wir brauchen es, weil eine innere Erneuerung des jüdischen Volkes nur in Palästina möglich ist. Vielleicht tun wir den palästinensischen Arabern vom Standpunkte einer unbeteiligten moralischen Betrachtungsweise „unrecht". Aber was uns zu Zionisten macht, ist nicht die moralische Betrachtungsweise Unbeteiligter, sondern der politische Wille gegenüber dem arabischen Volke, dessen Lebensraum vom Atlantischen Ozean bis zum Arabischen Meer reicht, und von dem das jüdische Volk nur den 160. Teil fordert. Bab fragt: „Fremde Rechte darf man.nicht empfinden?" Auf eine solche Frage kann man nur mit einer Gegenfrage antworten: „Muß man über fremden Rechten die eigenen vergessen?" Bab macht wie so .viele andere den Fehler, Palästina als geographische Insel, statt als willkürlichen Ausschnitt aus einem zusammenhängenden Gebiet zwischen^ dem Mittelländischen Meer und dem Persischen Golf auszusehen. Vielleicht ist die jüdisch-arabische Frage als „Gerechtigkeitsprbblem" innerhalb der engen Grenzen Palästinas unlösbar — aber sie ist es nicht, wenn man Palästina, Transjordanien und Irak als natürliche geographische, politische und ökonomische Einheit im Sinne einer „Judarabischen Konföderation" ansieht. Schloß. 5

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