Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (August 1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Minoritätsrechte im Gallith erforderlich. Doch isty,jäie volle nationale Existenz des Volkes im Gallith unmöglich, und;Öaher kann die wahre nationale Regeneration nur in Palästina erfolgen, wo das jüdische Volk die entscheidenden Kriterien einer normalisierten Volksexistenz, Land, Staat und Sprache, sich wieder aneignen kann. Der Begriff de® Judenstaates, den das Programm als Endzielen Palästina proklamiert, bedeutet die Souveränität des jüdischen Volkes in Palästina in der Form seiner staatlichen Autonomie. Für den Begriff des Judenstaates ist die Voraussetzung der jüdischen Majorität essentiell. Die Rechte der arabischen Bevölkerung in Palästina, sowohl die staatsbürgerlichen wie die nationalen, werden durch einen "Judenstaat nicht tangiert; lediglich der Anspruch des arabischen Volkes in der Welt auf Palästina als Teil seines nationalen Besitzstandes wird durch die zionistische Forderung berührt. Gegenüber diesem arabischen Rechtsanspruch auf Palästina steht nach unserer Auffassung das höhere Recht des jüdischen Volkes, das ohne Palästina nicht existieren kann, während angesichts der verschiedenen nationalen Zentren des arabischen Volkes, für die Palästina nur einen kleinen Annex bildet, der Besitz Palästinas für das arabische Volk keine Existenzfrage, ja keine wesentliche Lebensfrage überhaupt ist. Mit der Proklamierung des Judenstaates als Endziel soll zum Ausdruck gebracht werden, daß Zionismus die volle Lösung der Judenfrage in Palästina erstrebt in der Form, daß im Laufe der Zeit ein wesentlicher Teil des Volkes in Palästina (dem Transjordanien zugehört) konzentriert und das politische Schicksal des Volkes mit dem Schicksal Palästinas identisch werden soll. Daß dieses Endziel nicht in schneller Zeit zu erreichen ist, ist klar; aber es gibt keinen Beweis für die Unmöglichkeit der Realisierung dieses Endzieles im Verlauf einiger Generationen, besonders, wenn man die großen Landreserven berücksichtigt, die in Transjordanien bestehen, und die Platz bieten für Millionen Araber und für eine solche große jüdische Konzentration. Der Zionismus würde seine vitale Bedeutung für die jüdischen Massen und seine historische Legitimität für die andern Völker verlieren, wenn, er an Stelle einer vollen Lösung der Judenfrage nur den Aufbau eines geistigen Zentrums in Palästina vertreten würde, durch welches jüdische Kultur wohl gefördert, aber niemals die Judenfrage in ihren mannigfachen Aus drucksformen — der politischen, ökonomischen und* geistigen — wahrhaft gelöst würde. Daher bekämpft der radikale Zionismus jeden Versuch, das große Endziel des Zionismus preiszugeben und sich auf ein geistiges Zentrum oder ähnliche Zielsetzungen zu beschränken. Daß sich aus dieser außenpolitischen Zielsetzung wichtige Konsequenzen für die Führung und Gestaltung auch der konkreten zionistischen Tagespolitik ergeben, ist selbstverständlich, ohne daß es notwendig wäre, an dieser Stelle diese konkreten ^Forderungen der momentanen Tagespolitik im einzelnen darzulegen." Radikale und Revisionisten sind also in der Formulierung des Endzieles ziemlich einig. Die Radikalen sprechen von der ,,Errichtung des Jüdenir - Staates in Palästina", die Revisionisten von der ,,Schaffung einer jüdischen Mehrheit zu beiden Seiten des Jordans". Was also hindert Radikale und Revisionisten, sich zu einer Partei zusammenzuschließen? o i , ß