Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 6 (Juli 1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Z.V.f.D. als solche versagt hat. Und von. welcher Seite immer die Kritik kommt: sei es vom Misrachi, sei es von den Revisionisten oder Sozialisten — überall macht sich eine tiefe Unzufriedenheit mit dem augenblicklichen Zustand der Z. V. f. D. bemerkbar. Das ist das Ende einer Entwicklung, die vor langen Jahren in Deutschland in der unseligen Kriegs- und Nachkriegszeit initiiert worden ist. Sie ist historisch nicht zu verstehen, wenn sie nicht zugleich in den Zusammenhang mit der geistigen Fortentwicklung der zionistischen Ideologie in Deutschland gestellt wird. Am Beginn der in Frage stehenden Zeit wurde auch ideologisch eine Neu- oder Umorientierung angestrebt. In diesem Sinne hat Ktirt Blumenfeld im K.J.V. ein auch im J.St. als Artikel veröffentlichtes Referat gehalten: „Wie gestalten wir unseren Nationalismus wesenhafter?" (Zwölftes Kriegsheft, Nov. 1916). Ich kann an dieser Stelle nicht im einzelnen darlegen, warum diese Fragestellung völlig schief war und an dem eigentlichen Problem gänzlich vorbeisah. *) Von dieser schiefen Fragestellung ausgehend, ist aber die Entwicklung eine konsequente gewesen, und das K.J.V. mußte, da ja die ideologische Umorientierung auch eine solche in der Erziehung zur Folge haben mußte, hierbei eine außerordentlich traurige Rolle spielen. Die zionistische Erziehung stand unter ständigen Im-Auge-behalten des Charakters der zionistischen Idee, die vor allem eine revolutionäre sein sollte. In einer jüdischen Menrheit von Selbstzufriedenheit und Phüisterium, charakterloser Assimilation und Reaktion mußte der stets an der Spitze stehende „revolutionäre Charakter des Zionismus'* eine vollständige Isolierung von der nichtzionistischen jüdischen Umwelt herbeiführen. Man verschmähte es aristokratisch (weil es in praxi unmöglich war), aus Bündnissen Kräfte zu ziehen, glaubte vielmehr, diese strömten in potenzierter Qualität und Menge aus geistigen Analysen und der Errichtung eines staunenderregend hohen pseudowissenschaftlichen Gedankengebäudes. VI. So gesehen ist es kein Zufall, daß außer den Kreisen der „Jüdischen Volkspartei" besonders zwei Gruppen an Menschen gewinnen: Misrachi und Revisionismus. Beiden, so scheint es, gelingt es, auch wieder eine zionistische Jugend um sich zu sammeln**). Der Revisionismus — dies sollte einmal *) Ich will aber nicht verfehlen, auf einen von unseren leider viel zu früh verstorbenen A.H. Gustav Witkowsky verfaßten Artikel: „Hie Zwirn!" hinzuweisen, in dem ein Teil der Blumenfeldschen Gedanken als verkehrt widerlegt wird. (J. St. 15, Kriegsheft, Mai 1917.) **) Es wäre ungerecht, bei dieser Gelegenheit eine Jugend unerwähnt zu lassen, die zahlenmäßig heute mit an der Spitze steht und m. E. die größte Zukunft hat: ich meine die Maccabi-Jugend. Ihre Struktur entspricht eigentlich — auf anderer Ebene — so sehr der „Volikspartei", daß ich glauben möchte, sie trägt wie diese die weitesten zionistischen Möglichkeiten in sich. 33