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Der jüdische Student · 1930-07-01 · Heft 6 (Juli 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 6 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
[Seite] (sequence 34)
Language
German
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deutlich ausgesprochen und anerkannt werden — hat das historische Verdienst, die geniale, weil einfache, ursprüngliche Konzeption der zionistischen Idee durch seine Propaganda in weiteren Kreisen populär gemacht zu haben, und es ist ihm auf diesem Wege gelungen, neue Menschen mit altbewährter Methode zu werben. Der Misrachi hat seine Werbetätigkeit auf anderer Ebene entfaltet und seine Werbefähigkeit ebenfalls, bewährt: ihm kommt der Zuwachs aus dem religiös-konservativen Lager, von Menschen also, die durch ihre ganze Einstellung und Erziehung dem Palästinagedanken nahestehen. In der das Judentum erhaltenden Kraft des Gesetzes und der Tradition liegt der Grund dafür, daß der Konservativismus in der jüdischen Politik ein bündnisfähiger Genosse des Zionismus ist, und daß beispielsweise das Bündnis der „Jüdischen Volkspartei" mit den ehrlich Thoratreuen durchaus legitim ist. VIL Die Leitung der Z. V. f. D. aber berief sich darauf, daß wir in einer Welt von Feinden lebten: hie die Liberalen — da die Konservativen! Es wäre schwierig, unsere Position zu halten, geschweige denn, mit Erfolg werbend aufzutreten. Dies mit dem Resultat: Isolierung und Stagnation. Angesichts des Endergebnisses unserer Politik und in Erinnerung daran, daß man sich stets auf den revolutionären Charakter des Zionismus berufen hatte, ergibt sich naturnotwendig die Frage nach der Berechtigung der Behauptung: der hervorstechendste Zug in der Struktur der zionistischen Idee sei der revolutionäre. Sicherlich ist diese Frage höchst ketzerisch. Aber irgendwo muß in unserer Rechnung ein Fehler sein, sonst wäre nicht die Endsumme negativ. Und wir müssen bis zu diesem Fehler vordringen, um ihn aus unseren künftigen Voranschlägen von vornherein zu eliminieren. VIII. Zwei Momente sind scharf zu trennen: ein psychologisches und ein historisch-politisches. Tritt der Zionismus werbend auf, will er den Einzelnen zu einer neuen, von ihm bisher nicht anerkannten und vertretenen Anschauung bekehren, so bedarf es dazu fraglos einer Revolutionierung seiner Psyche. Er hat sich auf neue Probleme zu richten und sein Denken und Handeln in den Dienst andersgearteter Zielsetzungen zu stellen. Ist aber dieser seelische Umsturz einmal vollzogen, mit anderen Worten: ist aus dem Nichtzionisten ein Zionist geworden, so ist mit allen Mitteln darauf Bedacht zu nehmen, daß nicht ein erneuter Umschwung eintritt, sondern daß jetzt das einmal erkannte Ziel1 unerschütterlich festgehalten wird. Herbeiführung einer einmaligen Revolution und Verhütung jeder weiteten kennzeichnen die psychologische Seite unserer Frage. Hingegen ist zur Kennzeichnung ihrer historisch-politischen Seite eine andere Betrachtung notwendig. Als Träger der Idee tritt die zionistische Bewegung auf. Sie gelangt mit bestimmten Methoden zu einem bestimmten Ziel. Und beide: Ziel und Methode gehören zum Charakter des Zionismus. Mit Bezug auf die Mittel ist zu sagen, daß sie politisch durchaus nicht einen 34

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