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Der jüdische Student · 1930-07-01 · Heft 6 (Juli 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 6 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
[Seite] (sequence 31)
Language
German
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Theorien vollstopfen, von denen er weiß, daß sie ihm aus den Schwierigkeiten seiner Lage nicht heraushelfen. Er fordert mit Recht Verständnis für sich; wer ihm dieses entgegenbringt, dem wird er zuhören und, vielleicht auch, willig folgen. Nicht aber dem, der ihm beizubringen versucht, daß die Vertiefung in Probleme ein Surrogat in der Not des Tages sein könne. Geht man jedoch von seinen eigenen Bedürfnissen aus und erkennt sie an, so wird man immer auch Gehör finden, wenn man darlegt, daß es seinen Brüdern fast überall nicht besser, meist sogar viel schlechter geht. Das versteht er; was er selbst am eigenen Leib erfahren, kann ihm nahe gehen; denn man spricht zu seinem gemütvollen Herzen, das er sich, wie das ganze Volk, über alles Unheil hinweggerettet hat. Dies alles läßt sich freilich nicht wie ein Rechenexempel beweisen. Lediglich die Erfahrung kann hier reden. Aber eben diese hat schon oft in der zionistischen Geschichte entschieden. Es zeigt sich nämlich, daß dort, wo einmal in bestimmten historischen Momenten diese Methode oder eine ähnlich einfache angewendet wurde, der Erfolg nicht ausgeblieben ist. Neue Menschen kamen, und alte wurden zu vermehrter Leistung aufgerüttelt. (Und man sollte überlegen, ob man nicht von einer anderen, heute in Deutschland angewandten Methode, die, am Umfang der gesamten zionistischen Bewegung gemessen, kaum noch Erfolge aufweist, abgehen und zu dieser, im besten Sinne bewährten, zurückkehren muß!). ni. Auch der erste jüdische Volksführer der neuen Zeit, Theodor Herzl, hat in dieser Art zu seinem Volk gesprochen. Wie eine Brandfackel warf er ein Wort in die Massen: ,,Juden, ihr seid ein Volk, ein Volk!" Und es entzündete die gedrückte Seele, die aufflammte und jubelnd einfiel. Denn dieser Klang sprach zu ihnen; sie konnten ihn verstehen; nichts verbarg sich hinter Philosophemen, der Kern wies sich jeden, der hören wollte. — Herzl konnte eine Volksbewegung schaffen und ihr großer, angebeteter Führer werden, weil er es verstand, zu seinem Volk zu reden. Er wußte, daß er versagen würde, wenn die Einfachen und Vielen in seinen Worten sich nicht wiederfänden. — Nach mehr als zwanzig Jahren wurde den Juden ihr Recht. Wiederum bemächtigte sich fast aller eine flammende Begeisterung und ein glühender Freiheitsdrang, als, nach 2000 Jahren des Galuth zum ersten Male, der Ruf erscholl: „Juden, ihr habt ein Land!" Die Juden begriffen, und viele, viele scharten sich um die blau-weiße Fahne; in langen, mühevollen Jahren bauten sie, langsam Stein auf Stein setzend, in dem Land ihrer Väter, das wieder das ihre war, und schufen, nur auf wenig vorhandenem aufbauend, was heute jüdisch ist in ihm. — IV. Das jüdische Palästina ist gegenwärtig zu einem der werbekräftigsten Faktoren zionistischer Propaganda geworden, und die jüdische Leistung ist ein eminent wichtiger Bestandteil unserer Argumentation, ja, steht in ihr mit an allererster Stelle. Im Grunde genommen ist auch das 31

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