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Der jüdische Student · 1930-07-01 · Heft 6 (Juli 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 6 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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Was Treitschke unter ,»deutschem Christentum" versteht, das ist in Wirklichkeit die Ablehnung des bürgerlichen Geistes, dessen auffälligste Verkörperung der deutsche Jude ist — meint Rosenberg. Der Hochschul- Antisemitismus aber, der von Treitschke seine Argumente bezog, wendet sich vom bürgerlichen Gesellschaftsideal ab und strebt, unter dem Eindrucke der militärischen Erfolge Preußens, nach einem neuen adligen Lebensideal, das dem bürgerlich-kapitalistischen entgegengesetzt ist. Die Söhne des liberalen Bürgertums wenden sich gegen den Liberalismus ihrer Väter und bekennen sich zu aristokratischen Lebensanschauungen, die ihnen im Grunde nicht gemäß sind. Infolgedessen meint Rosenberg: „Treitschke und seine Gesinnungsfreunde schlagen deshalb so wild auf den Juden los, weil sie sich so von dem „Juden" befreien wollen, der in ihnen selbst steckt Der deutsche Jude war seinem ganzen Wesen nach der Antipode des militärisch-aristokratischen und des kleinbürgerlich-christlichen Lebensideals. Er war der Bürger an sich. Je mehr man sich in Leidenschaft und Zorn vom Juden trennte, je mehr man sich bemühte, in Wort und Schrift möglichst unjüdisch aufzutreten, um so sicherer war man selbst vor Rückfällen in den bürgerlich-liberalen Sündenfall." Bismarck hat die antibürgerliche Tendenz dieses politischen Christentums wohl verstanden und — abgelehnt. Für ihn war der jüdische Kapitalist — unbeschadet seiner persönlichen Antipathien — ein staatserhaltendes Element. Der Zusammenbruch von 1918 hat die antisemitische Ideologie Treitschkes erschüttert, aber — wie Rosenberg meint — die aristokratisch-idealistische Lebensauffassung in der Studentenschaft nicht zerstört. Nur daß der Jude jetzt nicht mehr das Bürgertum, sondern die sozialistische Arbeiterbewegung als Feind jener Lebensauffassung repräsentiert. Für den von Treitschke inspirierten Hochschul-Antisemitismus war der liberale Jude der Feind, für den nachrevolutionären Hochschul-Antisemitismus ist es der sozialistische Jude. * Aegypten oder Kanaan? Zu Beginn dieses Jahres hat Professor Dr. Yahuda, früher Dozent an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin und dann ordentlicher Professor für semitische Sprachen an der Universität in Madrid, den ersten Band eines großen Werkes über „Die Sprache des Pentateuchs in ihren Beziehungen zum Aegyptischen" bei de Gruyter erscheinen lassen. Dieses Buch greift die Fundamente der ganzen alttestamentlichen Wissenschaften an. Bisher hatte man angenommen, daß die verschiedenen literarischen Schichten des Pentateuchs erst nach der Eroberung von Erez Israel im Lande selbst zusammengestellt seien. Nach dieser Hypothese sei die Genesis 3—400 Jahre nach dem Auszuge aus Aegypten, Deuteronomiium und Leviticus aber erst 6—900 Jahre nach dem Einzug entstanden. Yahuda behauptet nun, daß die fünf Bücher Moses bereits vor der Eroberung entstanden seien, und zwar auf dem Boden Aegyptens oder während der 16

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