Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 6 (Juli 1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Tendenz soll hier nicht gesprochen werden) hervorgehend, unsere Weltan^ schauung und unser sittliches Gefühl zu zersetzen strebt (vergleiche Bühnenerscheinungen wie Zyankali, § 218, Jonny spielt auf usw.). Es ergibt sich also aus all dem, daß nicht nur die Deutsche Akademikerschaft aus persönlichem Selbsterhaltungstrieb gegen das Vordringen des Judentums in den deutschen akademischen Berufen Stellung nehmen muß, sondern in erster Linie aus nationalen, kulturellen und ethischen Gründen heraus jeder Deutsche die Pflicht hat, mitzukämpfen gegen die Gefährdung seines Volkstums. Wir deutschen Studenten müssen alles, was sich uns vielleicht trennend in den Weg stellen will, vergessen und uns zu gemeinsamer Abwehr zusammen finden. Unser erstes Ziel muß es sein, die Zahl der jüdischen Studierenden auf den Hundertsatz der Juden an der Gesamtbevölkerung herabzusetzen, der im Augenblick nur ca. 1 Prozent des Volkes beträgt. Zu diesem Zweck wird die Nationalsozialistische Fraktion im ASTA einen „NUMERUS CLAUSUS"-Antrag stellen, dessen Wortlaut folgender sein wird: Der ASTA der Universität Freiburg wolle beschließen: Der ASTA der Universität Freiburg i. Br. spricht sich für die Beschränkung der Zahl der jüdischen Studierenden (nach biologischen Gesichtspunkten) gemäß dem Hundertsatz der Juden an der Gesamtbevölkerung aus. Dieser Beschluß ist dem Vorstande der Deutschen Studentenschaft mitzuteilen mit der Bitte, die DSt. möge sich mit ihrer ganzen Autorität für die Verwirklichung des NUMERUS CLAUSUS einsetzen." Das Kartell hat von sich aus zu diesen politischen Tendenzen noch nicht Stellung genommen. Die Vorgänge in Thüringen und das Ergebnis der Landtagswahlen in Sachsen zeigen aber, daß die gegenwärtige Politik des Desinteressements auf die Dauer nicht haltbar ist. Das ist jedenfalls das Empfinden der studierenden Bundesbrüder, die — ob sie wollen oder nicht — ständig dieser Art von radikaler Propaganda gegenübergestellt werden. * . . . und vor dem Kriege „Der Antisemitismus der deutschen Akademiker vor dem Weltkrieg ist durchaus von dem wirtschaftlichen Antisemitismus zu scheiden, der in derselben Zeit in Deutschland bei den Mittelklassen auftaucht. Die Gründerjahre mit ihrem Ueberhandnehmen der Großbetriebe in Industrie und Handel und ihrem Spekulationsfieber, reizten die kleinbürgerlichen Schichten zur Abwehr. Sie fühlten sich durch das Kapital in ihrer Existenz gefährdet, aber vom Sozialismus trennten sie alle möglichen Hemmungen. So griffen sie die Juden als besonders auffällige Vertreter des modernen großstädtischen Kapitalismus an. Dagegen waren in der Zeit Treitschkes und danach bis zum Weltkrieg in Deutschland die akademischen Kreise vom Judentum wirtschaftlich kaum bedroht. Denn in den staatlichen höheren Beamtenstellen, bei den Richtern und Professoren, war unter dem Kaiserreich die Zahl der Juden oder auch nur der Männer jüdischer Abstammung ganz gering. Auch das Abschwenken 14