Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 6 (Juli 1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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schäftigung vom Regen überrascht worden. Blutenden Herzens habe er ein Auto genommen, das ihn 1,20 RM. gekostet habe. Dafür habe er dann an den nächsten beiden Tagen nicht zu Mittag gegessen. Auf diese Weise spart er im Sommersemester das Geld für die Ueberfahrt nach und von Palästina, wo er die Sommerferien verbringen will. Wovon er im Lande selbst leben wolle? Nun, er werde sich schon durchhelfen. Schließlich gäbe es ja drüben auch Bundesbrüder, die ihn nicht im Stiche lassen würden. Lehre: man muß nur wollen____! * Hochschul -Antisemitismus nach dem Kriege . . . Die Politisierung des Hochschullebens hat einen Grad der Spannung erreicht, der kaum mehr zu überbieten ist und unsere Verbindungen in wachsendem Maße beschäftigt. So hat im Juni die Nationalsozialistische Fraktion des ASTA in Freiburg ein Flugblatt über den Besuch der Universitäten und die Lage der Akademiker in Deutschland verbreitet, das typisch ist für die Hemmungslosigkeit, mit der die Politisierung der Studentenschaft betrieben wird. Das Flugblatt geht davon aus, daß heute 50 000 Akademiker mehr untergebracht sein wollen als im reichen Deutschland von 1914. 20 bis 30 Prozent der Studenten seien wirtschaftlich einigermaßen gesichert, nur 20 Prozent hätten einen Monatswechsel von mehr als 120,— RM., 40 Prozent von 80,— bis 120,— RM., 30 Prozent von 60,— bis 80,— RM. und 10 Prozent weniger als 60,— RM. Das Flugblatt geht dann auf die Examens-, Berufs- und Anstellungsverhältnisse ein, die mit unkontrollierbaren Ziffern in den schwärzesten Farben dargestellt werden und fährt dann fort: „Dies sind einige Zahlen von der Not der deutschen Akademiker, von der Proletarisierung der deutschen Geistesarbeiter, Kennzeichen der Gefahr, in der unser gesamtes Volk schwebt. Denn ein großer Teil der besten deutschen Intelligenz muß auswandern und geht so oft zum Schaden der Nation dem deutschen Volke verloren. Fragt man sich nun, was mit den zu wenigen Stellen geschieht, die zur Verfügung stehen, so kommt man zu folgenden Feststellungen: — Die Mehrzahl der bleibenden Stellen wird systematisch von jüdischen Akademikern ausgefüllt und so die deutsche Intelligenz aus ihrer Führerstellung verdrängt. In Deutschland sind 15 Prozent aller Studenten Rassejuden. Von diesen 15 Prozent sind etwa 5 Prozent getauft. Wie kommt es, daß im Sommersemester 1930 an unserer Freiburger Universität von ca. 2000 neu immatrikulierten Studenten 226 Juden mosaischer Konfession sind, nicht zu zählen die vielen, die ihre jüdische Rasse durch die Taufe vertuschen? Wie kommt es, daß an den Wiener Hochschulen von 12 000 Studierenden 4000 Juden sind? Wie aber kommt es besonders, daß in den deutschen Großstädten 70 Prozent aller akademischen Stellen in jüdischen Händen sind? Liegt es 12