Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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gleiten des Gehörten nicht zu befürchten. Die Stoffgebiete der Kurse liegen klar auf der Hand und geben die Möglichkeit, ohne Gefahr vor Wiederholungen, viele Semester auszufüllen. Kurspläne, Semestereinteilungen usw. können nur von Fall zu Fall innerhalb der Verbindungen gemacht werden. Unsere Verbindungen, unser Keilmaterial ist dafür zu verschiedenartig (etwa Koethen, Heidelberg, Leipzig, Berlin als Typen!). Ein Wort zur Frage der Geselligkeit: auch da kann ich aus meinen eigenen Erfahrungen sagen, daß das Problem mitsamt der „Formenfrage" nicht unlösbar ist. Es ist Sache der Chargierten für < iufiges Zusammensein der Bbr. Bbr. (z. B. nach Veranstaltungen) zu sorgen, Einladungen bei A.H., gelegentlich gesellige Abende mit Damen, gemeinsame Wanderungen, Sport. Das genügt, um einen innigen Kontakt zwischen den einzelnen Bbr. Bbr. herzustellen. Und bald wird es bei einer Einladung z. B. zu zwanglosen Unterhaltungen kommen, evtl. zu kleinen Vorträgen. Gibt es so etwas wie „Verbindungsgeist", dann wird jede Form von kollektiver Geselligkeit (im Stil der deutschen Korporationen) höchst überflüssig. — Unbedingt fordern wir vom Präsidium die schleunige Herausgabe eines hebräischen Liederbuchs (wenn es auch zunächst nur klein sein kann). Es sollte keine Veranstaltung (Konvent, Wanderung usw.) ohne hebräische Lieder sein. Im Zusammenhang damit steht die Keilfrage. Es ist heute wieder leichter geworden, zum Zionismus zu „bekehren"; die Zeiterscheinungen sprechen für uns. Wirkliche Eingliederung, die Aktivmeldung erreichen wir aber nur, wenn wir den neuen Menschen ein reiches und anziehendes Verbindungsleben zeigen können. Es muß so sein, daß es lockend erscheint in unseren Kreis aufgenommen zu werden. Denn anderswo gibt es derartige feste Kreise (z. B. Aelterenbund der Kameraden). Und alle Ueberzeugungskraft hilft nichts, wenn unsere Verbindungen nicht menschlich attraktiv sind. Deshalb (aber nicht nur deshalb!) bin ich für strengstes Ausleseprinzip schon bei der Aufnahme, aber auch später. Wir müssen den Mut haben, Füchse wieder abzugeben, gegen unzuverlässige oder sich nicht eingliedernde Burschen vorzugehen. Eine notwendige Voraussetzung dieses Verbindungslebens ist absolute Disziplin, im kleinen und im großen (von strikter Pünktlichkeit bis zum Befolgen einer Ueb er Weisung). Die Beibehaltung des Stufenbaus (Fuchs und Bursch) und die eminente Bedeutung richtiger Leibverhältnisse hat Hans Capell in seinem Referat auf der Chargiertentagung genügend begründet. Ich will mich begnügen, auf sein Referat hinzuweisen (letzter J.St.) —, Wirtschaftshilfe ist nötig; aber kein Punkt von entscheidender Bedeutung. Eine wichtige Frage ist die Frage der jüdischen Studentinnen. Wir müssen einmal davon Kenntnis nehmen, daß es eine wachsende Zahl von jüdischen Studentinnen gibt. Unser Arbeitsgebiet ist die Universität. Also nicht nur der jüdische Student. Nach dem oben gesagten halte ich natürlich jeden Versuch des K.J.V. als einen Bund von Männern durch Vollaufnahme von Mädchen zu sprengen, für unerlaubt. Die beste Lösung erscheint mir die Einrichtung von Kursabenden gemeinsam mit Studentinnen. Meine bisherigen Erfahrungen in Heidelberg und Leipzig bestätigen dies. Auf jeden Fall muß man dieses Problem einmal durchsprechen und irgendwelche Versuche machen. 44