Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Gesamtanlage der Reise, also insbesondere die Art, die Zeit, auch die Schiffsreise, halten wir im großen ganzen für gut. Es sei dabei aber besonders bemerkt, daß die palästinensischen Bundesbrüder sich außerordentliche Mühe gegeben haben, uns alles, was nur irgendwie sehenswert war, zu zeigen; sie haben uns außerordentlich herzlich aufgenommen, gut untergebracht und uns in jeder Weise das Gefühl gegeben, daß wir auf einer Fahrt des K.J.V. und zum Besuch der K.J.V.er gekommen sind. Insbesondere gilt dies für die Städte Jerusalem, Tiberias, Haifa, Tel-Aviv, aber auch für die Kolonien, z. B. Chedera. Dagegen war die technische Organisation und Vorbereitung der Reise schlecht. Wir haben besonders darunter gelitten, daß die Reise in gar keiner Weise vorher propagiert war und somit — sage und schreibe — überhaupt nur sieben K.J.V.er die Reise mitgemacht haben. Wo wir hinkamen, hat man uns gesagt, wie unverständlich es erscheint, daß in einem Kartell von über 1000 Alten Herren und so vielen hundert Aktiven sich nur sieben Leute gefunden haben, eine billige Palästinareise mitzumachen. Das Ansehen des K.J.V. hat darunter außerordentlich gelitten. Wichtig ist ferner, daß Nicht-K.J.V.er von der Reise ausgeschlossen werden. Die Hälfte der Reisegesellschaft bestand aus Nicht-K.J.V.ern, denen es trotz redlichster Mühe zuweilen schwer fiel, sich in den Rahmen der Fahrt ganz hineinzupassen. Es ist dabei auch die Frage aufgerollt worden, ob überhaupt Frauen mitfahren sollen. Persönlich möchte ich diese Frage bejahen, aber es sind Bedenken dagegen vorgebracht worden. Es muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß die Frauen, die die Fahrt mitmachen, sich Entbehrungen auferlegen und evtl. Luxusansprüche zurückstellen müssen (übrigens haben die vom K.J.V. mitgenommenen Frauen dies tatsächlich auch in jeder Weise getan). Mit Rücksicht auf eine Verbilligung der Reise, wobei billigere Unterkünfte (evtl. nach Art von Jugendherbergen) aufgesucht werden müßten, würde die Teilnahme von Frauen nur bei erklärter Bereitwilligkeit, alles Anstrengende und Unbequeme mitzumachen, erlaubt sein. Wichtig erscheint mir ferner, daß die Fahrt nicht im Schiffshafen beginnt wie diesmal, sondern der Treffpunkt in Deutschland liegt. Abgesehen davon, daß bei einer größeren Zahl von Teilnehmern der Fahrpreis billiger wird, haben die Teilnehmer viel eher Gelegenheit, einander kennenzulernen und sich zusammenzufinden. Diesmal ist aber der Vogel abgeschossen worden: die Namen der Teilnehmer sind den einzelnen erst beim Palästina-Lloyd in Marseille bekannt geworden. In den angegebenen Treffpunkten in Marseille war nur ein Bundesbruder zu finden, weil kein Logis bestellt war, und die übrigen (entgegen der Anweisung) in ganz anderen Hotels wohnten. Ich persönlich habe Bbr. Hanemann am zweiten Tage auf dem Schiff durch einen reinen Zufall kennengelernt. Völlig unverständlich war die Organisation in Palästina, Zunächst war gar nicht erkenntlich, ob das K.J.V. mit dem Palästina-Lloyd überhaupt eine Vereinbarung hatte oder nicht. Der Palästina-Lloyd behauptete, eine vom K.J.V. ausgearbeitete Tour übersandt bekommen zu haben, die er durchführen sollte, lehnte also die Verantwortung für die Zusammenstellung der Tour ab, weil sie tatsächlich undurchführbar war, verlangte 37