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Der jüdische Student · 1930-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 4-5 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
[Seite] (sequence 35)
Language
German
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romantischen, klaren und sonnenschönen Bild der Landschaft, ist es die jüdische Arbeit, die uns am meisten imponiert. Gerade das Eigengeschaffene, das Selbsterarbeitete ist es, das allerdings gewisse Gefahren der Selbstüberhebung mit sich bringt, aber auf der anderen Seite doch das viel stärkere und dauerhaftere Positivum, den Stolz auf das Geleistete, erzeugt, aus dem überhaupt vielleicht letzten Endes es zu erklären ist, wie und warum die schwere Arbeit in Erez, unter so harten äußeren und inneren Bedingungen, bewältigt werden kann. Und dann zum anderen: die hebräische Sprache. Wir wußten es ja alle von hier aus, daß drüben hebräisch gesprochen wird; aber dann etwa ein Kind sich weinend beklagen oder einen Chauffeur schimpfen zu hören und gar das eigene Wachsen in dem hebräisch Sprechenkönnen zu erfahren, das ist doch ein anderes, eben weil Selbsterlebtes. Leider konnten sich nur einige wenige von unserer Gruppe hebräisch verständigen —• und die wurden von den Palästinensern darob nicht wenig angestaunt, o deutsche Zionisten! Es ist unbedingt notwendig, daß auf einer nächsten Fahrt ein größerer Teil sprechen und sich im Lande verbessern kann. Denn wo anders sollen wir Hebräisch lernen, wenn nicht durch dauerndes Sprechen in Erez? All das Mannigfaltige, was wir im Lande in uns aufgenommen haben, kann aber nicht dazu dienen — das sei ausdrücklich betont —, daß wit nun mit fertigem Urteil über Erez Israel aufwarten. Sondern das Gehörte und Gesehene bedeuten uns nur Wahrnehmung und Beobachtung. Daß unsere Zeit in Palästina so sehr gut ausgenutzt war, verdanken wir in erster Linie unseren Bundesbrüdern, die mit ihren großartigen, bis in die kleinsten Details reichenden Vorbereitungen, mit ihren Informationen und häufig geführten persönlichen Unterredungen uns die Wege sehr ebneten. Diese wirklich nicht leichte und oft kleinliche Arbeit leisteten neben allen palästinensichen Bundesbrüder besonders: in Haifa Bbr. Josef Loewy, in Jerusalem Bbr. Fritz Loewenstein und Bbr. Albert Wunderlich, in Tel Aviv Bbr. Julius Fröhlich. Besonders trugen aber die K.J.V.er Veranstaltungen mit ihren Aussprachen in Haifa (in Birams Haus), in Tel Aviv und in Jerusalem, von denen besonders die letztere auf sachlicher Höhe stand, dazu bei, uns dem Verständnis für das Land näherzubringen. Aber es ist ein anderes, ein Land durch die Brille Zweiter zu schauen, ein anderes, dieses Land aus eigenem Erleben kennenzulernen. Und darum müssen wir uns klar darüber sein, daß unsere Fahrt als erste Reise nur Vorbereitung, nur Orientierung dafür sein darf, wie man ein nächstes Mal das Land mit eigenen Augen sehen, im originären Selbsterleben in sich aufnehmen will. Aber dieses Mal hätten wir anders gar nicht vorgehen können; ohne die sehr weitgehende Unterstützung und die häufig notwendige Korrektur durch unsere Bundesbrüder wären wir ohne allzu großen Nutzen im Land planlos umhergewandert. Denn es begegnete, uns doch zuweilen, daß wir in einigen Kwuzoth unzulängliche oder gar falsche Auskünfte erhielten. Es ist ja auch ein Uebelstand, wenn ein ganzer Trupp fremder Menschen in eine Siedlung kommt und oft sehr störend mit seiner nicht immer sachlichen Fragerei die Leute in der Arbeit behindert. Im allgemeinen können wir uns aber hierüber 35

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