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Der jüdische Student · 1930-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 4-5 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
[Seite] (sequence 34)
Language
German
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sehen und der eigenen Zeit erfaßt wird, das war uns allen eine Offenbarung, das schien uns bereits eine inhaltreiche Form des neuen Lebens zu sein. An solchen gewachsenen und selbstgewordenen Formen des neuen Lebens dürfte Palästina heute noch nicht so reich sein. Wenn ich absehe von den Kwuzoth, in deren inneres Leben wir doch nicht so tief hineingeschaut haben, dann ist uns an wenigen Stellen nur das Andersartige, das Eigenschöpferische, das bereits Geformte deutlich geworden. Vielleicht kann man hier als von einem begrenzten Lebensbezirk zunächst Ben Schemen anführen, wo Siegfried Lehmann wirkt; einige von uns brachten eine Freitagnacht zur Feier des letzten Passah-Tages dort zu. Aus dem Zusammen von Tradition und Selbstgeschaffenem, von Gebundenem und Freiem, von Instinktiv-Triebhaftem und Gewolltem ist hier bereits eine Gemeinschaftsform des Lebens und Erlebens herausgewachsen, die richtunggebend werden kann. Stärker aber noch beeindruckt uns das Insgesamt von Tel Aviv, weil es größere Ausmaße des jüdischen Lebens aufweist, die im einzelnen zwar nicht faßbar oder wenigstens von mir aus nicht darstellbar sind. Aus vorgefaßter Meinung wehrten wir uns gegen diese Stadt mit ihrem vielerlei Unschönen, Disharmonischen, Schreienden, Unechten; aber wir bekennen es offen, wir sind erlegen, erlegen dem Gesamteindruck des jüdischen Tel Aviv, das sich manifestiert vor allem in dem mit einem starken Stolzbewußtsein gepaarten Lebenswillen und in kluger Voraussicht und Zielbewußtheit gefördert wird durch Konzentrierung Jüdischer Geistigkeit. Dieses Tel Aviv kann wirklich als Exponent für das ganze jüdische Palästina gelten, als der prononcierteste Träger des guten Optimismus, des ungebrochenen und nicht zu brechenden Arbeitstmd Lebensmutes, des beseelten und beflügelten Wissens von „Und dennoch", welche Eigenschaften vereint es zuwege gebracht haben, daß heute im Land ein Aufstieg der Wirtschaft festzustellen ist, wie vielleicht überhaupt nicht seit dem Kriege. Daß wir die Tage in Tel Aviv selbstverständlich dazu benutzen, um die Kolonien Rischon le Zion, Nes Zionah, Rechoboth und da genauer den vom deutschen LI.W.B. besiedelten Kibbuz meuchat bei Rechoboth anzusehen, des weiteren im Süden Petach Tikwah mit der Jemenitensiedlung und in der ganzen Umgebung von Tel Aviv uns mit der Pardess-Wirtschaft ein wenig bekannt zu machen, sei nur eben verzeichnet. Viel zu kurz kamen jedoch die Siedlungen im Scharon weg, die wir auf dem Weg nach Chederah besichtigen, wo wir auch den mustergültigen Pardess von Bundesbruder Brünn, einen der größten im Lande, besuchen. Die Fahrt durch den dicken Sand hinter Chederah, wo wir öfters stecken bleiben — Sandschipper vor die Front! —, durch Benjamina und durch die prachtvolle und teilweise waldreiche Gegend von Sichron Jakob endet in Haifa, wo wir die beiden letzten Tage noch zum Besuch von Akko, des „arabischen Rothenburg", und zur genaueren Besichtigung des für die Zukunft so wichtigen Hinterlandes der Haifa Bay verwenden. „Was sind die stärksten Eindrücke, die Sie in Erez empfangen haben?" So wurden wir häufig im Lande gefragt. Auch hier möchte ich die Antwort hinsetzen, die wir auf diese Frage meist gegeben haben. Abgesehen von dem Aeußeren des Landes, dem ganz besonderen, wild- 34

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