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Der jüdische Student · 1930-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 4-5 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
[Seite] (sequence 33)
Language
German
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strittigen Punkte durch die Umsiedlung von Ajn Charod in die massiven Häuser nach Tel Josef akut. Wie überhaupt das Erziehungswesen ein großes Experimentierfeld in Erez darstellt, das lernen wir in Kaar Jeladim kennen, dieser eigenartigen und sehr eigenwilligen Erziehungsstätte, wo wir eine sehr ausführliche und nicht widerspruchslose Diskussion über Er- Ziehungsauffassung mit einem der Lehrer führen. Leitlinie aber für alle Erziehung ist und bleibt: die Einordnung in die Arbeit des Landes, ein Ziel» dem der Emek am bewußtesten und ausgeprägtesten in seinem täglichen Schaffen dient. In diesem Punkte des gemeinsamen Aufbaues vereinigen sich die verschiedenen Einrichtungen, deren schönste Ausdrucksform wir in dem neuen, medizinisch und technisch sehr hoch stehenden Zentralkrankenhausneubau bei Afule antreffen, ein Bau, der gerade während unseres Aufenthaltes eröffnet und von seinem Provisorium in Ajn Charod verlegt wurde. Aus dem Emek heraus führt uns der Weg über Afule nach Jerusalem. Bei und um Schechem wird in uns die Erinnerung an die Zeit der Erzväter, der Richter und Könige lebendig. Wir nähern uns der Stadt, der hochgebauten. Ich glaube, wir alle ahnen so etwas von der Größe des Augenblicks. Anderes, ganz anderes Leben umfängt uns. Seiendes ist hier noch wenig entschieden; Vergangenes stellt sich uns hier greifbar nahe dar und wir erleben das Alte, das Historische letztlich als ein Stück von uns selbst. Neun Tage bleiben wir in Jerusalem, wohl etwas zu lange für die Gesamtdauer unseres Aufenthaltes im Lande. Aber dieses längere Verweilen ermöglicht es uns, kleinere Gruppen nach besonderen Wünschen zusammenstellen. Außer Jerichow, Totes Meer, Bethlehem, lernen wir genauer kennen das historische Jerusalem, das uns Bundesbruder Treu mit tiefem Verständnis und großem Geschick zeigt. Daneben sehen wir uns natürlich an: die Universität, die ganz ausgezeichnete neue Bibliothek, deren Einweihung wir auch mitmachen, und die mit jeder europäischen Bibliothek nach Anlage und Zukunftsmöglichkeiten gleichwertig in baulicher und technischer Hinsicht sicher viele deutsche Universitätsbibliotheken übertrifft» Des weiteren verschiedene Einrichtungen der zionistischen Organisation und besonders die Institutionen der Hadassah, die Krankenhäuser, die Fürsorge, das Beth Habriuth usw. Aber außer diesem Programmäßigen haben wir noch Gelegenheit, mehr absichtslos und außer einem Plan das Leben der Menschen zu beobachten, wie etwa im alten Jischuw in den jüdischen Vierteln und demgegenüber mit Vertretern der neuen Zeit das Werdende zu erörtern. Daß wir in Jerusalem ebensowenig wie sonst im Lande von Arabern und arabischem Leben Näheres erfahren konnten, ist ein Manko,, das nicht bei uns Touristen allein zu konstatieren ist. Denn was wir zufällig in diesen Tagen anläßlich des Nebi Mus&festes von Arabern und ihren Umzügen sahen, war zwar ein farbenreiches, wildes Schauspiel, aber vermittelte keine Kenntnisse. Um so nachhaltiger und erfreulicher dürfen wir aber die Pessachfeier mit erleben, die hier, wie überhaupt in ganz Erez, in erster Linie von den Kindern und Jugendlichen gestaltet wird. Wie die Kinder aus Erfahrung und aus eigenem Vergangenes, Seiendes und Werdendes in engster Verknüpfung lebensnah werden lassen, wie hier nach dem Wunsch der Hagadah das Fest wirklich als die Befreiung des eigenen Men- 33;

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