Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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diese Stadt nur mit jungen Menschen werden, die auch einen wirksamen Schutz abgeben können. Der Rückweg soll uns eigentlich hinauf nach Metulah und Tel Chaij bringen; leider müssen wir diesen Plan wegen der durch den Regen aufgeweichten Wege, auf denen ein Fortkommen mit dem Auto unmöglich war, aufgeben. Wir sehen uns einen Moschaw Owdim „Machnajim" und eine Kwuzah „Ajeleth Haschachar" genauer an und kommen über Kapernauum, der Stätte der vor nicht langer Zeit ausgegrabenen frühchristlichen Synagoge, zurück nach Tiberias, Gleichfalls eine Stadt des alten Jischuw, die mit ihren heißen Quellen und ihrer Lage am wunderschönen See eine aussichtsreiche Zukunft besitzt. Der Emek, die klassische Stätte jüdischer Arbeit, ist nächstes Ziel. Wir besuchen Daganiah, den geistigen Vorposten der Kwuzoth, dessen Friedhof von Kämpfen des Werdens und von Enttäuschungen erzählt; wie sehen Beth Sera (Markenhof), das im betonten Streben nach Qualitätsleistung ein erfreuliches Bild zeigt und gelangen dann nach Gescher, wo sich das Ruthenberg-Zentralwerk befindet. Eine einzige Tatsache sei hier hervorgehoben, die scharf das gesamte Werk kennzeichnet. In dieser malariaverseuchten Gegend, in der früher 130 bis 150 Prozent aller Bewohner (d. h. 30—50 Prozent zweimal) von dieser Krankheit befallen wurden, hat es Ruthenberg fertig gebracht, die Erkrankungsziffer in kurzer Zeit auf etwa 8 Prozent herunterzudrücken, nachdem sich die Engländer damit gebrüstet hatten, in den Jahren des Krieges und nachher eine Morbiditätszahl von 40 Prozent erreicht zu haben. Die Rigorosität der Maßnahmen, mit denen dies hervorragend günstige Ergebnis zuwege gebracht wurde, angefangen von der peinlichst genauen Einhaltung der Arbeitszeit, über die blitzsaubere und zweckschöne Anlage von Häusern, Wohnungen, Eßräumen, Küchen, Badeanlagen bis zur persönlichen Prophylaxe: dieses ganze Programm, das in der Persönlichkeit von Ruthenberg seinen Urheber hat und sich von ihm auf jeden seiner Mitarbeiter und Angestellten auswirkt — man sehe sich nur die scharfgeschnittenen, energischen Gesichter und die bewußte, straffe Haltung der dortigen Arbeiterschaft an — stellt für Erez etwas Neues dar, weil es in das persönliche Leben allzusehr eingreift.--Zurück über den Jordan an den berüchtigten Beth Schaan-Böden vorbei. Die blasse Wut packt einen, wenn man diese unbebauten, menschenleeren Flächen sieht, auf denen kaum ein Beduinenzelt, geschweige ein Wohnhaus zu erblicken ist, die heute noch Jahre, nachdem sie Herbert Samuel als Liebesgabe den Arabern geschenkt hat, völlig unbearbeitet daliegen, Böden, an denen wir länger als eine Stunde mit dem Auto — hört, hört! — entlang fahren. Von dem Kranz der Siedlungen, die hinter Beth Schaan liegen, sehen wir uns eingehender an: Beth Alpha und Ajn Charod, die beide einen großen Namen in dem zionistischen Kolonisationswerk tragen. In beiden Kwuzoth suchen wir auch manches von dem inneren Leben zu erfahren. In Ajn Charod interessieren uns am meisten die Einrichtungen der Kinderpflege und -erziehung; soll doch gerade diese Kwuzah Mustergültiges auf diesem Gebiete leisten, sowohl in der sachgemäßen Säuglings¬ und Kleinkinderpflege, als in dem sehr schön eingerichteten Kindergartenwesen sowie endlich in der Schulerziehung. Aber überall noch offene Fragen, weite Probleme. Gerade in diesen Tagen wird mancher dieser 32