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Der jüdische Student · 1930-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1930) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 4-5 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
[Seite] (sequence 31)
Language
German
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samteindrücken zu erfahren. Wir benutzten den zweitägigen Aufenthalt unseres Schiffes in Alexandria, um diese Stadt und Kairo flüchtig zu sehen. Besonders hier hatte der Palästina-Lloyd gut für uns gearbeitet. Am meisten amüsiert uns hier der Führer, ein rumänischer Jude, der recht energisch und mit recht guter Sachkenntnis Kairo uns zeigt. Nur wenn er allzu eifrig das Alter einer Synagoge bis in die graue Vorzeit hinauf schraubt und dabei lieblich Geschichtsdaten verwechselt, oder wenn er uns haarscharf am Nil die Stelle der Aussetzung des Moses-Knäbleins demonstriert, mutet es uns amerikanisch an. Unser Abstecher nach Aegypten konnte nur ein andeutungshaftes Streifen sein. Trotz der Kostbarkeiten und der großartigen Baudenkmale, die wir in und um Kairo zu sehen bekamen, trieb es uns, bald nach dem Ziel unserer Reise zu gelangen. Wir konnten es daher kaum erwarten, bis wir in Bairut landeten. Wißt Ihr noch, wie wir an der herrlichen Küste über Sidon, Zur,, Akko, bei herrlichstem Sonnenwetter entlang in den sinkenden Abend hineinfuhren und schon von weitem die Lichter von Haifa erblickten, das sich hoch und höher von der Bucht zum Karmel hinaufbaut? Wir alle wurden von diesem großartigen Anblick zutiefst erfaßt und mochten hierin ein gutes Vorzeichen für unsere ganze Reise erschauen. Unser mehrtägiger Aufenthalt in Haifa sowohl auf der Hinfahrt als auch auf der Rückreise ließ uns die wichtigsten Einrichtungen, Realschule, Technikum, den Hafen in seinem fortschreitenden Bau, die Haifabucht, mit dem bereits assanierten Hinterland sowie ein wenig das Leben in der Stadt selbst sehen. Unser Weg führt uns dann weiter über Nahalal, der gut arbeitenden Mädchenfarm, vorbei am Nordeingang des Emek Jesreel, der sich hier dank jüdischer Arbeit wie ein weiter Gottesgarten auftut, in das christliche Gebiet um Nazareth, das mit der Gegensätzlichkeit seines Landschaftsbildes den romantischsten Eindruck macht, erleben hier und bis zum Tiberiassee hin ein Stück „Neues Testament", gelangen über Tiberias hinaus an Migdal vorbei, in dessen Nähe die reiche tropische Anpflanzung von Lord Melchett mit dem prachtvollen Haus am See (für den zukünftigen Ruder-V.J.St. von Erez Israel das gegebene Bootshaus; im übrigen haben die Ruder-V.J.St.er unserer Gruppe dem Makabi in Tiberias ein Boot versprochen), kommen auf hoch und höher steigendem Bergweg über Roschpinah in strömendem Regen, dem langerwarteten Malkosch, nur unter großen Hindernissen auf dem fetten Lehmboden vorwärts. Um so schöner und herrlicher ist bei jeder Kehre des Weges, wenn die Sonne plötzlich die Wolken zerreißt, der Blick auf den scheinbar zum Greifen nahen Kinereth-See. Spät abends Ankunft in Safed, der nördlichsten Stadt des Landes, die während der Unruhen mit am meisten gelitten hat. Schlimmer als die Reste der Zerstörung, schlimmer als der auch noch heute überall sichtbare Zustand von daniederliegender Wirtschaft ist es für uns, die Gesichter der Juden zu sehen. Die Angst und die Geschlagenheit, das Zertretene, das aus diesen Augen spricht, erschüttert uns durch und durch; in diesem Anblick liegt für uns zugleich die Bestätigung dafür, daß dieser alte Jischuw sich und die Stadt nicht verteidigen konnte. Wenn diese Stadt, die einzige im Norden, die so schön in der wilden Berglandschaft gelegene, als Höhenluftkurort geeignete und gern besuchte, aufgegeben werden sollte, dann wäre es jammerschade. Neu aufgebaut aber kann 3t

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