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Der jüdische Student · 1930-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 4-5 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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die so herzliche Betätigung der Bundesbrüderlichkeit und Gastfreundlichkeit für uns teilweise etwas Bedrückendes hatte; einmal deshalb, weil doch unsere Bundesbrüder im Lande durchweg nicht auf Rosen gebettet sind und zum anderen aus dem noch viel tieferen Grunde, weil diese Hochherzigkeit und Großzügigkeit der Gastfreundschaft für uns ein Novum darstellt, eine Ausdrucksform, wie wir in Europa sie nicht in diesem Ausmaße kennen und ganz gewiß nicht üben. Die Selbstverständlichkeit, mit der man uns all dies gab, erleichterte uns in den Wochen unseres Aufenthaltes die Annahme, erleichtert uns aber auch jetzt, von hier aus, unseren Bundesbrüdern in Erez und vor allem ihren lieben Frauen unseren Dank der tiefen Verbundenheit auszusprechen. Unsere Reise ging von Marseille los. Leichter und besser, als wir von Anfang geglaubt hatten, lebte sich unsere Gruppe aufeinander ein. Wir stellten bald eine nach außen kenntliche und von außen anerkannte Gemeinschaft dar, die, auch insbesondere von Seiten der Schiffsverwaltung, weites und freundliches Entgegenkommen erfuhr. Von uns geschah auch das Mögliche, um nach einem bestimmten Plan unsere Zusammengehörigkeit zu betonen: so aßen wir selbstverständlich an gemeinsamer Tafel, wir trieben Vor- und Nachmittags zusammen leichten Sport, suchten unsere hebräischen Kenntnisse durch Konversation zu erweitern und zu befestigen. Des Abends saßen wir in unserem Kreise, der durch die Anlockung von anderen sich öfters weiter zog, bis spät in die Nacht auf Deck, sangen Lieder, tanzten auch mitunter. In schöner Erinnerung bleibt uns so eine gelungene Freitagabendfeier und ähnlich auf der Rückfahrt ein Oneg- Schabbat, der durch die Beteiligung von vielen Palästinensern inhaltreicher ausgestaltet werden konnte. Wie überhaupt die Rückkehr durch die Anwesenheit von über 100 Menschen aus Erez Israel, die teils zu Ausbildungszwecken, teils auf Besuch nach Europa fuhren, ihre richtige und jüdische Note erhielt. Voll von dem großen und ganzen Erlebnis Erez Israel füllte sick unser Tag auf der Rückreise durch immer wieder erneutes Sprechen von den Dingen und Menschen im Lande aus; unter anderem hatten wir so eine Diskussion über „Brith Schalom" mit unserem Freunde Ernst Simon, die vom frühen Morgen bis fast zum Abend dauerte. Und gleichsam, als ob wir uns von Erez nicht trennen konnten, verlangten wir immer wieder, mit den Palästinensern den ganzen Tag an Bord zusammen zu sein, von ihnen zu hören, mit ihnen zu sprechen und an ihnen teilzuhaben, wenn sie singen. Denn singen können die Menschen in Erez; ein unendlicher Schatz von Liedern wird fast von allen gekannt und gekonnt. Wo immer sich Menschen im kleinen oder größeren Kreise treffen, singt, tanzt man und ist lustig, lustig trotz oder gerade wegen des Ernstes der Lage; denn das ist ein Charakteristikum, das wir besonders in der Arbeiterschaft angetroffen haben, daß häufig die Menschen dieses Kreises unbeschwerter, unkomplizierter sind und sich dann auch viel freier, natürlicher und angepaßter dem Leben geben, wie es ist, und wie es die Stunde erfordert. Unserer Aktivitas müßte man es offiziell machen, daß sie in Erez Lieder singen lernt; dann würden unsere sogenannten „gemütlichen Abende" auch gewinnen. Von den Taten und Begebenheiten der Reise selbst möchte ich nur skizzenhaft sprechen; denn hier interessiert es hauptsächlich, von den Ge- 30

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