Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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zählte damals die stolze Gesellschaft der Teilnehmer. Und dieses Mal, die erste K.J.V. erfahrt „nach dem Kriege! Man schämt sich die Zahl zu nennen: ganze 7 Bundesbrüder kamen aus dem großen Kartell zusammen. Diese äußerst geringe Beteiligung war vor allem uns, den Teilnehmern selbst, sehr peinlich, doppelt peinlich, weil unsere Bundesbrüder in Palästina aus ihrer Enttäuschung kein Hehl machten, da sie nach dem schönen Beispiel der Vorkriegsfahrten mit etwa gleichgroßen Ziffern gerechnet hatten. Es ist hier nicht der Ort, den Gründen für die so spärliche Teilnahme der Bundesbrüder im einzelnen nachzugehen. Nur soviel sei gesagt, daß die Schuld nicht etwa allein in der ungenügenden technischen und propagandistischen Vorbereitung seitens des Präsidiums zu suchen ist. Die schwere Wirtschaftslage anzuklagen, dürfte bei der sicher nicht ungünstigen Position eines großen Teiles unserer Altherrenschaft auch abwegig sein. Ich möchte mir aber nicht die Anklage eines palästinensischen Bundesbruders zu eigen machen, der dieses klägliche Versagen tiefer, in der inneren Situation des K.J.V., in der nur losen Verbundenheit mit Erez Israel sehen will. Wie dem auch sei: eine Reisegesellschaft mußte nach der Verpflichtung des Präsidiums gegenüber dem Palästina-Lloyd gebildet werden, und so stellte man, etwas eilig und bunt, eine Reihe von 20 Damen und Herren zusammen. Daß unsere Gruppe letzten Endes sich doch zusammenfand und erträglich aufeinander einstellte, ist mit dem Umstand zu verdanken, daß wir Bundesbrüder den Kern bildeten, um den die anderen sich anlegen {konnten und mußten. Wenn die Fahrt in ihrem Ergebnis als geglückt zu bezeichnen ist, so trugen dazu wesentlich zwei Faktoren bei: einmal die gute Vorbereitung und Umsorgung durch den Palästina-Lloyd. Gewiß ist auch hier manches auszusetzen. Daß der Aufenthalt im Lande selbst von vornherein zu teuer veranschlagt war, ist nicht hauptsächlich auf der Schuldseite des Lloyd zu buchen; ein Fehler, der mit freundlicher Hilfe von mehreren Haifaer Bundesbrüdern sehr gut korrigiert wurde. Aber es war nicht nur für uns ein Gefühl der Geborgenheit, sondern auch eine von vielen anderen Schiffspassagieren fast neidisch vermerkte und sich im Interesse des Lloyd für die Zukunft günstig auswirkende Tatsache, daß wir die Dienste des Palestine-Lloyd uns gesichert hatten — ich hebe nur Alexandria, Kairo, die Landung in Bairut, die Beförderung und die Hotelunterbringung im Lande selbst hervor. Ueber dieses äußere Gelingen hinaus ist aber die innere Befriedigung über unsere Fahrt zu danken der Aufnahme durch unsere Bundesbrüder. Es war für uns so, als ob wir in unsere eigene Familie kämen. Ueberall, in Kairo, Haifa, Tiberias, Jerusalem, Tel-Aviv und in vielen Kolonien und Kwuzoth fanden wir in den Angehörigen des K.J.V. unsere wirklichen, unsere lebendigen Bundesbrüder. Es war erstaunlich und erfreulich für uns, zu sehen und zu erfahren, daß sich in Palästina eine so stattliche Anzahl von Angehörigen unseres Kartells befindet. Denn obwohl wir aus unserem Adreßbuch entnehmen konnten, wieviel Bundesbrüder in Erez leben, so ist es doch von größerer Einprägsamkeit, unsere dortigen Menschen in ihrem Leben zu beobachten. Wir können es nicht leugnen, daß 29