Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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noch am ehesten berufen gewesen wären, die Idee eines jüdischen Palästinas im Rahmen eines großarabischen Staatenbundes zu konzipieren und auszubauen, immer nur das Heil von einem „Kolonisations-Regime'* erwartet und den jüdischen Anspruch auf Transjordanien aus dem Mandat und den Lebensnotwendigkeiten der jüdischen Heimstätte abgeleitet. Die Vorstellung eines von der ägyptischen Grenze bis zum Persischen Golf reichenden arabischen Staatenbundes unter der Herrschaft eines in Bagdad oder Damaskus residierenden arabischen Fürsten, der die historischen Ansprüche des jüdischen Volkes auf Palästina anerkennt, die Landfrage durch Umsiedlung der palästinensischen Fellachen nach anderen Teilen seines Reiches löst und die Einwanderung von Juden nicht nur nach Palästina, sondern auch nach Transjordanien, Syrien und Mesopotamien fördert, diese Vorstellung irt zunächst phantastisch — besonders, wenn man die englisch-französischen Interessen an diesen Gebieten berücksichtigt. Man kann in einem Atemzuge ein Dutzend Einwände gegen die Möglichkeit eines solchen Planes aufzählen, von denen jeder ausreicht, ihn ad absurdum zu führen. Aber wenn es sich, wie jetzt, für uns um die Frage handelt, ob wir die nationale Heimstätte zu einer Art von Naturschutzpark für einen kleinen Teil des jüdischen Volkes degradieren lassen, oder in unserer Bündnispolitik eine Frontveränderung vornehmen wollen, dann kann die Wahl nicht schwer sein. Fünfzehn Jahre lang sind wir mit England durch dick und dünn gegangen und haben uns um Englands willen mit der arabischen) Welt überworfen. Wenn jetzt, wo uns diese Bündnispolitik von den Arabern mit Blut heimgezahlt wird, EngTand uns im Stiche läßt, so bleibt uns nichts übrig, als uns nach anderen Bundesgenossen umzusehen. Sache unserer politischen Leitung ist es, diese jüdisch-arabische Verständigung mit unseren Beziehungen zu den europäischen Mandatsstaaten in Einklang zu bringen. Haben wir unter uns Diplomaten, die diesen Namen verdienen, dann kann dies nicht unmöglich sein. Leichter ist aber wahrscheinlich die Schaffung einer „judarabischen Konföderation" auf der Grundlage eines jüdischen Palästinas im Rahmen eines großarabischen Staatenbundes, wie sie eben, skizziert wurde. Besonders wenn es gelingt, die jüdischen Arabisten, die in der arabischen Welt einen Namen haben und der zionistischen Bewegung mit Zurückhaltung gegenüberstehen, für diese Idee zu gewinnen. Warum sollte nicht der extremste palästinensisch-arabische Nationalist, der heute unter dem doppelten Drucke der englischen und jüdischen Aspirationen steht, die Hand des jüdischen Volkes ergreifen, das ihm seine Hilfe für die Schaffung eines arabischen Reiches verspricht, für das er auf Seiten der Alliierten in den Krieg gezogen ist? Was kann ihm Palästina bedeuten, wenn er dafür die Aussicht auf nationale Größe und Freiheit eintauscht? Wo fände er sonst in der Welt einen Bundesgenossen für seine großarabischen Pläne? Der extreme Nationalismus der palästinensisch-arabischen Judenfeinde entspringt in erster Linie der Furcht vor der Macht des jüdischen Volkes, die sie häufig höher einschätzen als wir selbst. Man könnte sich vorstellen, daß die bloße Erörterung des Gedankens der „judarabischen Konföderation" bei einem so impulsiven Volke, wie es die Araber sind, genügt, um eine Entspannung der jüdisch-arabischen Beziehungen in Palästina herbeizuführen. 27