Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Was Syrien anbelangt, «so glauben wir, daß sich auf die Dauer der syrische Patriotismus gegen die Idee eines arabischen Staatenbundes nicht behaupten kann-, solange der Gedanke der Gemeinschaft und Gleichheit aller Bekenner Allahs noch lebendig ist. Aus diesem Grunde ist es auch unwahrscheinlich, daß der Widerstand der palästinensischen Araber gegen die englische Herrschaft und die Mandaispolitik, wie er auch im Bericht der Shaw- Commission in Erscheinung tritt, Ausdruck eines spezifisch palästinensischen Nationalismus ist. Wir sagten schon, daß der Gedanke eines großarabischen Staatenbundes in Syrien und Palästina entstanden sei. Daß er mit Hussein nicht zugrunde gegangen ist, beweist de* Nachdruck, den die palästinensischen Araber bei der Vernehmung durch, die Shaw-Commission auf die Korrespendenz zwischen Sir Henry Mac Mahon und Hussein gelegt haben. Der Gedanke der Schaffung eines großarabischen Staatenbundes ist trotz aller inzwischen eingetretenen personalen Veränderungen in den Ländern Randarabiens nicht tot, er ist mächtiger und lebendiger als die partikularistischen Nationalismen der türkisch-arabischen Nachfolgestaaten. Mit dieser Feststellung wird unser künftiges Verhältnis zu den palästinensischen Arabern, zum Gesamtkomplex Arabien und zur islamischen Welt in ein ganz neues Licht gerückt. Die entscheidende Frage lautet nämlich jetzt nicht mehr, ob man sich mit den palästinensischen Arabern durch Verzichte und Zugeständnisse verschiedenster Art verständigen kann oder muß, die aber alle einen teilweisen Verzicht auf die Errichtung der nationalem Heimstätte gleichkommen, oder aber ob es für uns eine Möglichkeit gibt, die Bildung eines großarabischen Staatenbundes, bestehend aus Palästina, Trans Jordanien, Syrien und Mesopotamien durch Einsetzung der moralischen, politischen und wirtschaftlichen Kräfte der Juden der ganzen Welt zu fördern, um im Rahmen dieses Bundes von den Arabern die Anerkennung der Balfour-Deklaration und des Mandates zu erreichen und so aus Palästina eine nationale Helmstätte mit staatsähnlichem Charakter zu machen. Mit anderen Worten: besteht die Aussicht, daß, wenn das jüdische Volk sich für die Verwirklichung der Sir Henry Mac Mahon-Korrespondenz im Sinne der arabischen Bestrebungen einsetzt, die Araber ihrerseits bereit sind, im Austausch dafür ein gewisses Desinteress^ment an Palästina zugunsten des jüdischen Volkes zu erklären? Wenn man der Exekutive einen Vorwurf machen kann, so den, daß ihr »iemals der Gedanke an eine solche Möglichkeit der Regelung der jüdischarabischen Beziehungen gekommen ist, obgleich sie auf Schritt und Tritt mit dem sich aus der Sir Henry Mac Mahon-Korrespondenz ergebenden arabischen Aspirationen zu tun hatte. Und ebenso ist es unverzeihlich, daß der Brith Schaflom auf der Suche nach einer Verständigungsmöglichkeit immer nur von dem erwähnten „Dualismus" der Balfour-Deklaration und des Mandates ausgegangen und regelmäßig beim binationalen Staate gelandet ist. Daß es jenseits Palästinas eine arabische Welt gibt, hat bei der Exekutive und dem Brith Schalom immer nur Angstvorstellungen und Schwächezustände ausgelöst, niemals den Gedanken, daß in der Weite der arabischen Welt vielleicht die Möglichkeit liegt, die Enge der palästinensischen Frage zu lösen. Leider haben auch die Revisionisten, die vielleicht 26