Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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(die arabischen Führer), das Versprechen auf Unabhängigkeit, das von Sir Henry Mac Mahon gegeben sei, bezöge sich auch auf Palästina, und wahrscheinlich wird kein Argument ihren Glauben erschüttern, daß, bei gerechter Auslegung des Briefwechsels, Palästina tatsächlich in dieses Gebiet eingeschlossen sei . . ." In dem Bericht der Shaw-Commission wird dann eine Proklamation der britischen Armee in Palästina vom Jahre 1917 wiedergegeben, die durch Flugzeuge über das ganze Land verbreitet worden sind, und in denen von der „Freiheit der Araber" und vom „arabischen Königreiche'* gesprochen wird. „Die Araber argumentieren, daß, wenn diese Proklamationen und Aufrufe nicht ein Versprechen waren, sie nur die Täuschung eines vertrauensvollen Volkes durch eine große Nation im Augenblicke der Not gewesen sein könnten. Sie behaupten, daß sie das Unternehmen nicht begonnen und die untrennbar damit verbundenen Risiken nicht übernommen hätten, wenn sie hätten vermuten müssen, daß die Politik Großbritanniens auf die Schaffung einer nationalen Heimstätte für diejenigen hinausliefe, die sie als fremde Nation in einem Lande ansehen, das sie seit dreizehn Jahrhunderten bewohnen." DL Kein Zweifel: der „Dualismus" der Balfour-Deklaration und des Mandates wird durch die innere Unvereinbarkeit des Sykes-Picot-Vertrages und der Sir Henry Mac Mahon-Korrespondenz wirkungsvoll ergänzt. Angesichts dieser beiden Verträge kann mit vollem Rechte von der Doppelzüngigkeit des „falschen Albion" gesprochen werden. Die gegenwärtige Haltung der Araber findet adso ihre juristische Begründung nicht nur in dem „Dualismus" der Urkunden über die Errichtung der nationalen Heimstätte, sondern auch in der Gegensätzlichkeit des englischen Vertrages mit Frankreich einerseits und mit Hussein andererseits. Die Frage ist nun, ob die Haltung der palästinensischen Araber Ausdruck eines spezifisch palästinensischen Nationalismus ist, oder ob er auf die Bildung eines Palästina umfassenden großarabischen Staatenbundes zusammen mit Transjordanien, Syrien und Mesopotamien abzielt. Es ist unverkennbar, daß sich in den letzten Jahren in Aegypten, aber auch in Syrien, ein spezifischer Nationalismus herausgebildet hat, der sich in Zoll- und Paßschikanen gegen andere mohammedanische Länder und ihre Angehörigen äußert. In Aegypten hat man 60gar angefangen, auf das phara^ onische Altertum stolz zu sein, ein Stolz, der vom Standpunkte des Islam als verboten angesehen werden muß, weil jenes alte Aegypten ein Land des Götzendienstes war. Aehnliche Anzeichen eines spezifischen, gegen den islamischen Universalismus verstoßenden Nationalismus sind auch gelegentlich in Syrien zu beobachten, wo man sich plötzlich auf die Hetiter, als die Ureinwohner des Landes, besonnen hat. Da Aegypten nicht zu Arabien gehört, können wir den ägyptischen Nationalismus unberücksichtigt lassen« 25