Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Hussein hat niemals aufgehört, Syrien und Palästina für das groß» arabische Reich, dessen Kalif er werden wollte, zu fordern, und ebenso haben die Engländer, die durch das Sykes-Picot-Abkommen und durch ihre eigenen Interessen gebunden waren, niemals aufgehört, diese Forderung abzulehnen, Der Streit, ob Hussein ein vertragliches Recht auf Syrien und Palästina hatte, wird wahrscheinlich immer unentschieden bleiben, Aber richtig ißt, daß ein großarabisches Reich ohne Syrien und Palästina ein Haus ohne Dach und ein Körper ohne Seele bleiben mußte, weil der Gedanke eines solchen Reiches überhaupt erst in den kultivierten Gebieten der syrischen Küstenebene entstanden ist und entstehen konnte. Bestärkt wurde Hussein in seinem Glauben an die schließliche Durchsetz'barkeit seiner Ansprüche auf Syrien und Palästina durch die großsprecherischen Proklamationen der englisch-französischen Machthaber bei Abschluß des Waffenstillstandes mit der Türkei. Ueber die Frage der Einbeziehung Syriens und Palästinas in das großarabische Reich ist dann bis zum Herbst 1924 zwischen England und Hussein verhandelt. Zuletzt versuchte der größte Mann in der Geschichte der englisch-arabischen Beziehungen, Colonel Lawrence, vergeblich, Hussein zum Verzicht auf Palästina zu bewegen. Gleichzeitig setzte in der mohamedanischen Welt eine von England unterhaltene Pressekampagne gegen Hussein ein. Dadurch, daß man die Verkehrs- und Sicherheitsverhältnisse nach und an den heiligen Stätten des Hedschas als gefährdet hinstellte, suchte main die Pilger von der Wallfahrt nach Mekka und Medina abzuhalten und so einen scharfen Druck auf die Finanzen Husseins auszuüben. Aus dieser gegen Hussein gerichteten Kampagne ergab sich eine schwere Verstimmung zwischen ihm und den Engländern, die dann im weiteren Verlaufe der Ereignisse dazu führte, daß England Hussein seine Hilfe entzog, nachdem es vorher mit seinem Sohne Feissul in Mesopotamien und seinem anderen Sohne Abdulla Verträge geschlossen hatte, die eine Verständigung mit dem „Querulanten" Hussein für England nicht mehr als lebenswichtig erscheinen ließen. Heute lebt Hussein, der einst Anspruch auf den Titel eines „Königs aüler Araber" erhob, und knapp zweihundert Tage Kalif gewesen ist, in Cypern, weil er für sein großarabisches Reich nicht auf Syrien und Palästina verzichten wollte. Sein Todfeind I'bn Saud ist König von Hedschas, aber von seinen Söhnen regiert Feissul in Mesopotamien und Abdulla in Transjordanien. Es wäre eine Selbsttäuschung, wollte man glauben, daß mit der Verbannung Husseins auch der Gedanke einer großarabischen Föderation zugrunde gegangen sei. Im VII. Kapitel des Berichtes der Shaw-Commission, in welchem die arabischen Beschwerden abgehandelt werden, heißt es: „Das erste Argument (der Araber) ist, daß Seiner Majestät Regierung die Versprechungen nicht erfüllt hat, die dem arabischen Volke Palästinas während dem Kriege gegeben worden sind . „ . Seiner Majestät Regierung hat ständig die Deklaration (Sir Henry Mac Mahons) so ausgelegt, daß Palästina von dem Gebiete, in dein die arabische Unabhängigkeit anerkannt und unterstützt werden sollte, ausgeschlossen sei . . , Zu Recht oder zu Unrecht glauben 24