Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zunächst soll neben die Berliner eine pälästinensiche Redaktion treten, über die wir mit dem Bezirksverband Erez Israel in Verhandlung stehen. Diese palästinensische Redaktion soll alle wichtigen Fragen des Aufbaus — insbesondere die beruflichen Fragen — behandeln. Natürlich werden wir der palästinensischen Redaktion über die Richtlinien hinaus keine einengenden Vorschriften machen. Auf der anderen Seite aber muß sich die Berliner Redaktion vorbehalten, Beiträge zu ändern oder nach Form und Inhalt ungeeignete Beiträge nicht zu bringen. Das wichtigste ist aber, daß die palästinensischen Bundesbrüder die Möglichkeit haben sollen, frei von der Leber weg zu sprechen und Dinge zu sagen, die öffentlich nicht ohne weiteres gesagt werden können. Dazu gehört, daß der J.St. wieder eine interne Zeitschrift wird. Nicht, daß wir glauben, der interne Charakter des J.St. könnte in einer Organisation von 2000 Menschen unverbrüchlich gewahrt werden. Dennoch wird mit der Intern-Erklärung zweierlei erreicht: erstens schreibt man freier und unbekümmerter, daher besser, wenn man das Gefühl hat, nur für einen beschränkten Kreis von Menschen zu schreiben, mit denen man auf Du und Du steht, zweitens hat kein Außenstehender mehr das Recht, sich getroffen zu fühlen und zu beschweren, wenn er — durch eine Indiskretion — den J.St. in die Hand bekommt. Drittens — könnte man schließlich sagen — trägt ein bißchen Geheimniskrämerei immer dazu bei, die Spannung des Lesers zu erhöhen. Weiter wird der J.St. von nun an regelmäßig einen aktuellen Artikel enthalten, der, da in der Zeitschrift einer politischen Bewegung Aktualität gleich Politik ist, in der Regel auch politisch sein wird. Dieser aktuelle Artikel wird nicht als Leitartikel aufgezogen werden, um den Eindruck zu vermeiden, als ob es sich dabei um eine Stellungnahme des Präsidiums handle. Es soll vielmehr nach wie vor daran festgehalten werden, daß alle im J.St. abgedruckten Beiträge persönliche Meinungsäußerungen der Verfasser sind. Natürlich sollen diese aktuellen Artikel auch nicht nur vom Redakteur geschrieben werden. Vielmehr werden wir regelmäßig einen Bundesbruder auffordern, abwechselnd mit dem Redakteur diese Artikel zu schreiben. Sicher wird sich an diesen politischen, weil aktuellen Artikeln Widerspruch entzünden, und ihn hoffen wir für den J.St. zu fruktifizieren — war es doch gerade sein Unglück in den letzten Jahren, daß sein Inhalt so wenig fruchtbaren Widerspruch erregt hat. Dazu wird von nun an regelmäßig eine Rubrik „Bemerkungen" kommen, wie sie dieser J.St. erstmalig enthält. Zweierlei sollen die „Bemerkungen" bringen: Tatsachen und Glossen. Gerade für diese Rubrik, die als Mittel der Belehrung und Anregung für sich spricht, rechnen wir auf die Mitwirkung der Bundesbrüder, An Erlebnissen im Kolleg, bei der Lektüre, auf der Straße, im Zusammensein mit anderen Menschen mangelt es niemanden. Es kommt nur darauf an, die Augen aufzumachen, diese Erlebnisse zu „erleben' und sie nicht in dumpfer Bewußtlosigkeit vorübergleiten zu lassen. Jeder soll auf eigene Weise reagieren können, beschreiben oder glossieren. Nur kurz und prägnant soll er bei der Niederschrift sein. Je kürzer und zugespitzter, um so besser. Nur nicht einen Eimer von 20