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Der jüdische Student · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 79)
Language
German
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V.J. St. „Maccabaea"~ Königsberg. Die Arbeit im vergangenen Semester war gekennzeichnet dadurch, daß heute ein Wechsel in dem, die Leitung der Verbindung bestimmenden Kreise vor sich geht. Die Bundesbrüder, die bisher eine lange Zeit hindurch führend gewesen waren, sind teils von hier weggezogen, teils langsam aus dem Zentrum der Verbindung gerückt. Die junge Verbindung dagegen ist noch in einem Formierungsprozeß begriffen, der sein eigentliches Gesicht noch nicht klar erkennen läßt. So trug das Semester das typische Gepräge eines Uebergangs. Charakteristisch ist, daß trotz einer verhältnismäßig großen Zahl von Bundesbrüdern die Besetzung der Chargen und des Fuchsmajorats sehr schwierig war. Der Arbeitskonvent wählte Kurt Winter zum X, Boris Eisenstadt zum XX und C. M. Sika Ragolski zum XXX- Da durch eine Reihe von Burschenexamina der Schwerpunkt der Verbindung wieder mehr in die Burschenschaft verschoben war, konzentrierte sich die Arbeit um einen Burschenkurs. Wir hatten versucht, um der ganzen Arbeit ein einheitliches Gepräge zu geben, Palästina in den Mittelpunkt des Semesters zu stellen. So war das Thema des Burschenkurses: Probleme des Palästina-Aufbaus. In 10 Abenden, bei denen die ganze Verbindung einschließlich der Füchse anwesend war, wurden die einzelnen Problemkreise — landw. Kolonisation, Industrie, Bodenpolitik, Araberproblem usw. — diskutiert. Trotz der Schwierigkeit der Materialbeschaffung ist es wohl zum größeren Teil gelungen, eine ins tiefere gehende Darstellung zu geben. In der gleichen Richtung, der Erzielung einer Palästinastimmung, des Hineinführens des Gehaltes „Palästina" in den Kreis der Verbindung wirkte die starke Betonung der hebräischen Arbeit. Alle Bundesbrüder ohne Ausnahme lernen Hebräisch und wir haben durchaus den Eindruck, daß auf diesem Wege starke zionistische Impulse ausgelöst werden können. Eine erfreuliche Folge der Intensivierung dieser Arbeit ist es, daß in diesem Semester zum ersten Male vier Inaktive ihre Zulassung zum hebräischen Examen beantragten und erhielten. Eins wurde bereits abgelegt und bestanden, die drei übrigen werden noch vor dem Schlußkonvent stattfinden. Wenn wir auch noch nicht so weit sind, daß von einer hebräischen Atmosphäre gesprochen werden kann, so sind doch die Anzeichen dafür vorhanden, daß wir dies Ziel mit konzentrierter Energie werden erreichen können. Daneben zeigt sich die erfreuliche Tatsache, daß die Anteilnahme am zionistischen Geschehen eine stärkere geworden ist. Unter anderem kam dies an einem Abend, der der Frage des Revisionismus gewidmet war, deutlich zum Ausdruck. Die noch vor uicht langer Zeit stark ausgeprägte Indifferenz gegenüber allen politisch-zionistischen Vorgängen ist einem stärkeren Miterleben gewichen. Die Form der Erziehungsarbeit hat sich nicht geändert. Es wurden, wie in jedem Semester, Fuchse nahen de abgehalten, die zuerst Bbd. Winter, dann Bbd. Eisenstadt gab. Thema war: Das jüdische Kulturproblem; das religiöse Problem im Zionismus; das soziale Problem; das Galuthproblem. 79

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