Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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heraus sind wir für den Zusammenschluß der Bundesbrüder eingetreten, der als Plattform für eine Aussprache dienen und die Möglichkeit bieten soll, richtige Ideen eines Bundesbruders durchzusetzen und ihm zu helfen. Das wäre die erste Aufgabe unseres Bundes dort drüben. Weiter halben wir folgende Aufgabe zu erfüllen: Wir müssen den Versuch machen, politische und wirtschaftliche Fragen unter uns zu klären, in Verbindung mit dem hiesigen K. J. V. Denn es ist doch auffallend, daß gerade über politische Fragen eine ungeheure Diskrepanz zwischen den Auffassungen der dortigen und der hiesigen Bundesbrüder herrscht, die nicht die Möglichkeit haben, ihre Ideen an der Wirklichkeit zu messen, während wir nicht die Möglichkeit haben, zu übersehen, inwieweit unsere Ideen dem Propagandazweck usw. schaden. Ein Ausgleich ist daher nötig, eine gegenseitige Darstellung der Anschauungen. Aus einer derartigen Zusammenarbeit könnte Ersprießliches entstehen. Selbstverständlich bleibt auch die wirtschaftliche Unterstützung wichtig und ich möchte hierfür noch einmal an dieser Stelle meinen besonderen Dank an das scheidende Präsidium aussprechen. Aber noch mehr: Eure persönlichen Fragen interessieren auch uns. Z. B. müssen die hier diskutierten Fragen auch dort vom palästinensischen Standpunkt aus diskutiert werden. Auch hierin könnte der dortige Bund Ersprießliches leisten. Ich glaube aber, daß es nicht genügt, uns lediglich den J. St. zu schicken und uns alle vier Wochen oberflächlich zu informieren. Es wäre wohl zweckmäßig, wenn folgende Form gefunden würde: Einige (zwei bis drei) von drüben treten als korrespondierende Mitglieder in das Präsidium ein, damit sie den ganzen Stoff übermittelt bekommen und verantwortlich mitarbeiten können. Es ist daher zweckmäßig, wenn einige von uns in das Präsidium als korrespondierende Mitglieder eintreten und mit die Verantwortung übernehmen für das, was hier geschieht. Noch ein paar Worte zum Kartelltag. Man ist hierher gekommen, um das scheidende Präsidium in Grund und Boden zu verdammen. Warum eigentlich? Ich glaube, daß der Aktivsaldo des Präsidiums erheblich über die Passiva hinausgeht. Man soll sich doch in Erinnerung rufen, daß wir vor Jahren noch keine Organisation hatten, sondern ein K. J. V., das sich überhaupt nicht um uns und Palästina kümmerte, während jetzt eine Organisation geschaffen wurde mit dem Willen der Mitarbeit an Palästina, und mit dem Willen, Nachwuchs herüberzubringen. Wir haben das Vertrauen zu den Leuten gehabt, die im Präsidium gearbeitet haben, und wir wollten (das war unsere Hauptabsicht), daß wenigstens einige Menschen dieses alten Präsidiums, die unser Vertrauen besaßen, wieder eintreten, um den Konnex mit uns weiter zu fördern. Ich hoffe, daß auch das neue Präsidium in dieser Hinsicht mit uns arbeiten wird. Das K. J. V. genügt uns nicht in der jetzigen Situation. Ihr habt Anregungen verlangt. Ich glaube, Euch richtig zu interpretieren, wenn ich sage: Ihr sucht das neue zionistische Erlebnis. Ihr habt es einmal gehabt, nämlich als Ihr Zionisten geworden seid. Aber dieses Erlebnis kann nicht repetiert werden und ich glaube nicht daran, daß durch Diskussionen dieses neue, frische Erlebnis geschaffen wird. Was geschaffen werden müßte, 68