Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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ist das Gefühl, daß es eine Gnade sei, in Palästina zu arbeiten und das Bestreben, dieser Gnade teilhaftig zu werden. Aber dazu kann man nicht durch die hier gegebenen Rezepte kommen, sondern erst durch einen längeren Aufenthalt in Palästina. Wie können wir das erreichen? Ich glaube, daß wir nach einigen Semestern unsere Bundesbrüder zu einem kurzen Studium dorthin schicken können. Wir haben eine Universität, ein Technikum usw. Es müßte ermöglicht werden, daß jeder Bundesbruder dort mindestens ein Semester studiert. Heute schon ist die Möglichkeit dazu für viele gegeben, z. B. für Orientalisten, Chemiker usw. und, ganz gewiß, für Techniker. Hier beginnt eine organisatorische Aufgabe des Präsidiums, dafür zu sorgen, daß dieses Semester hier in Deutschland angerechnet wird. Wenn dies nicht zu erreichen ist, dann müßt Ihr eben dieses halbe Jahr opfern. Die Kosten werden zweifellos nicht teurer sein als in Berlin oder einer anderen deutschen Universitätsstadt. Die Kosten der Ueberfahrt werden dadurch wettgemacht^ daß Jerusalem heute noch keine Kolleggelder verlangt. Das Ziel der Erziehung müßte darin münden, daß es den Burschen zur offiziellen Pflicht gemacht wird, im vierten oder fünften Semester hinüber zu gehen und dort zu studieren. Dann ergeben sich die Aufgaben der früheren Semester von selbst, vor allem bezüglich der Erlernung der hebräischen Sprache; sie werden hierfür ganz andere Energien aufbringen, sobald sie wissen, daß sie im vierten oder fünften Semester hinübergehen. Mit ganz anderer Intensität werden sie auch an der Diskussion über Palästina-Angelegenheiten teilnehmen. Welcher Reichtum müßte das K. J. V. erfüllen, wenn jedes Jahr neue Bundesbrüder hingehen und andere mit dem palästinensischen Schwung zurückkehren! Dann erst werden wir ein lebendiges K. J.V. haben und nicht durch Diskussionen, wie es heute vorgeschlagen wurde. Es muß dafür gesorgt und in das Präsidialprogramm aufgenommen werden, daß allen Buiidesbrüdern das Palästinastudium ermöglicht wird. Leo Rosenblüth: Das Referat von Hilb veranlaßt mich, hier einige Worte über dasselbe Thema zu Euch zu sprechen. Für mich war mein erneuter Aufenthalt in Deutschland ein ganz neues Ereignis: Ich bin in Berlin zu einigen Konventen gegangen und mit Spannung zum Kartelltag gefahren. Ich bin seit Jahren aus dem Kartell heraus und daher mit großer Scheu auf die Konvente gegangen, weil ich dort lauter neue Gesichter sah. Ich habe aber trozdem wieder die Menschen verstanden und war gleich vollkommen wieder in den Dingen drin. Drüben ist das etwas ganz anderes. Ich habe auf den dortigen Bezirksverbandssitzungen trotz meines Interesses niemals das Wort ergriffen, weil ich sehen mußte, daß das, was wir drüben schaffen, gar nichts mit dem K. J. V. hier zu tun hat. Es handelt sich eigentlich nur um einen Zusammenschluß zwecks gegenseitiger Hilfe und Unterstützung. Eine Verbundenheit wie hier besteht keineswegs, sondern höchstens die Möglichkeit, junge Bundesbrüder in das dortige Leben einzuführen und sich andererseits in Tagen der Not gegenseitig zu helfen. Ich glaube nicht, daß wir drüben eine Mission * 69