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Der jüdische Student · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 67)
Language
German
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Hilb (Haifa): Ich freue mich, daß heute früh optimistischere Töne in der Beurteilung einer Alijäh nach Palästina angeschlagen worden sind. Im allgemeinen begnügte man sich mit der Feststellung, daß diese gescheitert sei und übersah dabei, daß dort viele von uns leben und verwurzelt sind. Insofern ist sie allerdings gescheitert, als man glaubte, aus Mittelstandselementen Proletarier machen zu können. Unsere Bundesbrüder drüben — das trifft wohl für jeden Deutschen zu — befinden sich nicht nur materiell in einer schwierigen Lage (wir danken hier für die ersten Schritte des scheidenden Präsidiums), sondern auch seelisch. Ich glaube, daß dies daraus zu erklären ist, daß vom K. J. V. aus gewisse Erziehungsfehler gemacht worden sind. Man erzählte uns früher: wir seien nur halbe Juden; die Erfüllung könne erst dort drüben erfolgen. Wir müßten erst das Volk suchen und uns an dieses Volk assimilieren. Mit dieser Vorstellung, daß unser Judentum nicht vollwertig sei, geht der K. J.V.er nach Palästina. Die erste Zeit seines Aufenthaltes ist damit ausgefüllt, das jüdische Volk zu suchen, um sich daran zu assimilieren. Ich machte dabei die Erfahrung, daß dieses gedachte Volk drüben noch gar nicht existiert und daß drüben die Masse zusammengesetzt ist aus Menschen ganz verschiedener Färbung (bedingt durch ihre Herkunft), und daß es einen einheitlichen Typus noch nicht gibt. Das ist weiter keine große Tragik für die anderen, denen nicht gesagt worden ist, daß sie das jüdische Volk erst suchen müßten, sondern die wußten, daß sie selber ein Teil davon sind; schon deshalb ist es keine Tragik für sie, weil sicher in der zweiten Generation ein einheitliches jüdisches Volk entstehen wird. Wenn auch jetzt z. B. noch Unterschiede bestehen zwischen unseren Akademikern und etwa Moskauer Studenten, so wird das doch nicht mehr zwischen ihren Kindern der Fall sein. Aber für uns besteht dieses Problem und wir sind insofern beschwert, als wir mit einem Minderwertigkeitskomplex herüberkommen. Wir suchen das jüdische Volk und finden nur polnische, russische und englische Juden usw. Der deutsche Jude versucht nun, nachdem er den Idealtypus nicht gefunden hat, sich an die übrigen, durch ihre Herkunft charakterisierten Juden zu assimilieren. Das gelingt nicht und es entsteht bei ihm eine seelische Stimmung, in der er nicht mehr an seine VoHwertigkeit glaubt. Merkwürdig ist es, daß keine Judenschaft drüben mit einem Spitznamen bedacht wird bis auf den deutschen „Jeck", den Typus des nicht ganz sicheren Menschen ohne den Willen, sich durchzusetzen und für eine bestimmte Vorstellung einzutreten. Hier müssen wir ändernd eingreifen. Ich glaube, es muß den Bundesbrüdern klargemacht werden, daß sie vollkommen und ganz Palästina bejahen können. Wir haben gleichfalls durchaus unsere besonderen Aufgaben und müssen unsere Ideen dort durchzusetzen versuchen. Es gibt vereinzelte Bundesbrüder, die das erkannt und versucht haben. Diese sind dort gescheitert, wie z. B. Hecker, der als einziger für die Reinheit des Technikums eintrat. Auch Loewy (Haifa-Bay), Bundesbrüder in der Hadassah usw. sind gescheitert. Warum? Weil sie als einzelne gegenüber einer Phalanx ohne Hilfe hinter sich dastanden und niemand da war, mit dem sie sich beraten konnten. Aus all diesen Erwägungen 67

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