Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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ist nicht ohne weiteres auf uns zu übertragen, weil hier Zionismus nicht so unmittelbar empfunden wird, wie dort. Wir sind ein Bund von Akademikern und Intellektuellen, die sich immer wieder an dieser einen Tatsache stoßen: Wie machen wir daraus ein Stück Wirklichkeit? Das ist etwas ganz anderes, als die Gedankengänge von Goldmann, die auf dem allgemein politischen Gebiet liegen. Unser Spezifikum ist es, daß auch bei der höchsten Willensanspannung nur ein Teil hinübergehen kann. Es sind viele hinüber gegangen (etwa 10 o/o) in der Zeit, in der man hinübergehen konnte. Wenn diese Relation beibehalten wird, so ist das schon ein Ergebnis, und dadurch hat das K. J. V. bereits seine Existenzberechtigung bewiesen. Hoffen wir, daß es mehr werden. Das hängt aber nicht von uns ab, sondern von der Entwicklung des Zionismus — ob er lediglich eine Sache der Philanthropie sein soll oder nicht. Das wollte ich in diesem Zusammenhange sagen. Nun zur konkreten Frage, der Personenfrage: Ich sagte, es gab einen Präsidialkreis, der den Anspruch hatte, für das neue Präsidium den Vorschlag zu machen. Dieser Vorschlag ist bekämpft worden, und hier hat sich, insbesondere in den Reihen der Jüngeren, die Stimmung dafür entschieden, daß man den Schwierigkeiten dadurch begegnen soll, daß man sich auf eine dritte neutrale Persönlichkeit einigt. Natürlich hat im Parteisinn auch Rosenberg seine politische Stellung gefunden. Hätte er sie nicht, würde er sich schon darum nicht zur Führung des Kartells eignen. Gegen seine Person als solche war von unserer Seite nicht das geringste Bedenken erhoben worden. Nur sagten wir: wir wollen kein Präsidium mit einem sogenannten neutralen Präsiden unter Fortsetzung des Kampfes in diesem Präsidium mit seinen zwei Vizepräsiden. Wenn man sich einigt, muß man sich wirklich so einigen, daß ein einheitliches Präsidium entsteht. In dieser Linie haben sich die Verhandlungen bewegt. Jetzt ist die Entscheidungsstunde gekommen. Wir haben soeben in der Sitzung unsere Entscheidung getroffen: Wir wünschen die Einheit des Kartells genau so wie die jungen Bundesbrüder. Wir haben uns daher gesagt, daß, wenn auf seiten der Jungen ein so entscheidender Wunsch besteht, man diesen Wunsch erfüllen soll. Deshalb schlagen wir den Entwurf der gestrigen Kommission vor und haben manchem Bundesbruder, der sich erst nicht zum Eintritt entschließen wollte, den Rat hierzu erteilt. Auch ich habe mich dieser Anschauung angeschlossen und entscheide hiermit im Namen eines Bundesbruders, der plötzlich abreisen mußte, und mir die Entscheidung übef seinen Eintritt in die Hand gab, in dem Sinne, .daß er eintreten soll. Wir ziehen den offiziellen Vorschlag hiermit zurück. Das. Präsidium unterbreitet dem Kartelltag folgende Liste: Egon Rosenberg (Präsidium); Hans Anton Wolff (Vizepräsidium); Justus Schloß, Czapski, Tumbowski, Hirsch, Berliner, Gerling, Lewin und Wassermann____ Hierauf zieht Hirsch seinen Vorschlag zurück. Die vom Präsidium vorgeschlagene Liste wird daraufhin mit einigen Stimmenthaltungen gewählt, nachdem Steinitz die folgende Erklärung verlesen hatte: 64