Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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„Die Unterzeichneten sind sich mit dem K. T. einig in dem Willen, die Leitung des Kartells einem Präsidium zu übertragen, das vom Vertrauen des gesamten Kartells getragen wird. Sie werden sich aber bei der Wahl des Präsiden selbst mangels genügender Kenntnis der Person von A. H. Rosenberg der Stimme enthalten, wobei sie ausdrücklich betonen, daß Bbr. Rosenberg ihr vollstes bundesbrüderliches Vertrauen besitzt. Heinz Foerder, Hans Seidenberg, Max Wolff, Ernst Moses, Willi Cegla, Hans Capell, Kurt Manheim, Heinz Steinitz." Auf der Tagesordnung steht noch eine Reihe von Anträgen zur Decharge, zu denen die Resolutionskommission keine bestimmte Stellung eingenommen hat. Darauf erklärt Czapski: Ich bitte Euch, alle Anträge beiseite zu lassen und nur den einen Antrag anzunehmen: „Wir danken dem Präsidium für die geleistete Arbeit und erteilen ihm die Decharge." Der Antrag wird einstimmig angenommen. Rosenberg: Liebe Bundesbrüder! Ich deute Euren Beifall so, daß Ihr mir mit der Wahl ein Mandat gegeben habt: Vorbereitung der weiteren Entwicklung des Kartells, eine Vorbereitung, die beginnen soll mit vollständiger Befriedung des Kartells. Ich würde es Euch zu leicht und mir zu schwer machen, wenn Ihr glaubt, mit dieser Abstimmung Eure Pflicht getan zu haben. Jede Stimme teilt die ungeheure Verantwortung, die ich in diesem Augenblick fühle. Ihr alle habt damit zum Ausdruck gebracht, und nur in diesem Sinne konnte ich mich zur Annahme meiner Wahl entschließen, daß Ihr verantwortlich mitarbeiten werdet in diesem K. J. V. Und das, was Ihr hier zum Ausdruck gebracht habt, gilt in viel höherem Maße für Bundesbrüder, die sich entschlossen haben, in das Präsidium einzutreten, und die ich hier aus freudigem Herzen bundesbrüderlich begrüße. Die Anträge, die Ihr jetzt angenommen habt, fasse ich als die ersten zagen Anzeichen dieser Befriedung auf. Aber ich glaube, wir müssen die erste Stunde des neuen Zusammenseins, als solches möchte ich unsere Beziehungen jetzt bezeichnen, benützen, um auch Rückschau auf der Basis der bundesbrüderlichen und freundschaftlichen Betrachtungsweise zu halten. Und deshalb genügt es mir nicht ganz, wenn dem Präsidium in Bausch und Bogen Decharge erteilt worden ist. Ich habe persönlich den Wunsch, und darf erwarten, daß man der Tätigkeit von Lichtheim im größeren Maß gerecht wird, als es durch Annahme dieses Antrages geschehen ist. Ich weiß nicht, ob ich den Mut haben würde, meine Stelle anzunehmen, wenn er mir nicht vorangegangen wäre. Er bewies durch sein Beispiel, daß auch ein Alter Herr, wenn er sich innerlich mit dem K. J. V. verbunden fühlt, die Verantwortung übernehmen darf und das Recht hat, die Pflichten zu übernehmen, die ihm die anderen aufbürden. Und dafür, daß Lichtheim es getan und auch dafür, wie er es getan hat, sage ich ihm meinen Dank und hoffe, daß der Kartelltag mit diesem Dank einverstanden ist (starker Applaus!). Liebe Bundesbrüder! Ihr werdet nicht erwarten, daß ich Euch jetzt ein Pro- 65