Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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Sammlung, das Gefühl erwächst: Es lohnt sich, K. J. V.er zu sein, weil ich hier das beste für meine zionistische Entwicklung" und mein zionistisches Leben bekomme. Die anderen Bünde, die uns etwas Balbattisches vorwerfen, haben recht. Wäre der echte Geist da, würde er auch empfunden werden; in diesen Dingen gibt es kein Verschleiern und Vertuschen! Der Kartelltag trifft wirklich eine schwere Entscheidung. Wir gingen aus vom Bund, der Liebe zu ihm und dadurch kamen wir zum Zionismus. Heute müssen wir den umgekehrten Weg gehen: Durch wahre Schulung dahin zu kommen, daß die gesinnungsmäßig miteinander Verbundenen auch menschlich zusammenwachsen und wieder bundesbrüderliches Gefühl kennen 1 erden. Ein stumpfsinniges K. J. V. ist unsinnig. Nicht auf das Programm kommt es an, sondern auf die Fähigkeit, die Herzen der Menschen zu ergreifen und sie zu führen. Ein solches Präsidium müssen wir haben. Wir werden Jahre dazu gebrauchen, bis wir dahin gelangen, aber vorzubereiten haben wir es bereits heute. Inzwischen hat eine Präsidialsitzung stattgefunden, nach deren Abschluß Lichtheim im Namen des Präsidiums die folgende Erklärung abgibt: Es wäre eine große Versuchung für mich, auf die Ausführungen von Blumenfeld und Kannowitz hier ausführlich einzugehen. Ich kann das nicht tun, denn die Zeit drängt. Nur gegen diesen einen Satz von Blumenfeld will ich mich wenden: Er hat dem jetzigen Präsidium einen Vorwurf gemacht, daß es zuviel seine eigenen Dienste rühme. Ich will nicht darüber rechten, daß er sich selbst oft auf seine Erfolge und Tätigkeit berufen hat, denn ich nehme ihm das als einer ausgeprägten Persönlichkeit gar nicht übel, wenn ich auch das Gesamtbild seiner zionistischen Anschauungen nicht teile. Ich glaube nicht, daß er das Recht zu der Behauptung hatte, daß wir uns im Uebermaße gerühmt hätten. Tuchler hat gerade betont, daß keineswegs alles Gute auf unser Konto zu setzen ist, und das ist auch unsere wirkliche Auffassung. Wenn wir ein Verdienst für uns in Anspruch genommen haben, so ist es dies, das Kartell aus einer üblen Lage wieder herausgeführt und getan zu haben, was ein Präsidium tun kann. In Blumenfelds Rede war vieles, was ich durchaus unterschreiben kann, vor allem, daß das innere Erlebnis und die Spannung das Entscheidende ist. Das Kartell wird sein, was die Bundesbrüder aus sich selbst machen, gewiß geleitet vom Gesamtkartell und vom Präsidium, aber die Rolle des Präsidiums, auch des besten, wird nur eine bescheidene sein. Auf eins riur möchte ich eingehen, es ist eine alte Streitfrage zwischen uns: Ich glaube, daß nicht nur Menschen Dinge, sondern auch Situationen Menschen bilden. Wenn es dem Zionismus besser gehen würde, würde es auch unseren Menschen besser gehen. Vieles, was man als unsere Not bezeichnet, rührt von der Gesamtlage des Zionismus her. Ein Bundesbruder hat erklärt, daß es in Riga ganz ander3 als bei uns aussehe, warum? Weil dort das zionistische Leben unmittelbarer ist und ein reines K. J. V.ertum, wie hier, sich gegenüber der zionistischen Realität, wie sie in Lettland vorhanden ist, nicht durchsetzen kann. Das ist eine richtige Beobachtung, aber das Vorbild