Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 62)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3537599-3537812-3537814--7537-3545580
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Symbol' für die Einheit sozusagen). Wäre ein wirklich bundesbrüderliches Kartell da, dann könnten wir eine Liste gegen eine aridere 'im* Kampfe wählen, aber nicht jetzt im Augenblick, wo man« an die Spitze jemand stellen muß, der nicht abgestempelt ist. Dies ist kein letztes Ziel; ich halte diese Lösung nicht für die großartigste, aber als Uebergangslösung ist sie das Gegebene für ein Kartell, daß kein bundesbrüderlicher Bund mehr ist, tun aus ihm einen solchen wieder zu machen. Deshalb schlage ich diese Lösung vor und würde verlangen, daß der Kartelltag zunächst hierüber abstimmt. Rosenberg soll sich nicht davor scheuen, sich einer solchen Abstimmung auszusetzen. Dann wird klar gezeigt werden: will man eine Einheit des Kartells oder nicht? Wenn man einen anderen Weg geht und die Einheit nicht will, dann wird es wiederum zu einer Kampfabstimmung kommen, die heute für das Kartell absolut sinnlos ist. Die Mehrheit wird niemals eine Spur glücklicher sein als die Minderheit. Ich würde sogar hoffen, daß meine Gruppe in der Minderheit bleibt, um wirkliche Arbeit leisten zu können. Die Einheit des Kartells muß in dieser formalen Weise erzwungen werden. Seht Euch den J. St. an : Da stehen Artikel, die genau so gut wo anders stehen könnten, anstatt uns zu lehren, wie man ein tiefer und fundierter, ein basierter und geschulter Zionist wird. Als Geburtshelfer für die denkenden Bundesbrüder müßte der J. St. dienen, damit nicht der Eindruck entsteht, daß wir nichts anderes mehr sind, als eine „Organisation". Nicht alles ist Organisation, sondern Gedanken sind das entscheidende! Unsere Bundesbrüder sind ganz uninformiert; sie verlangen Argumente und ziehen dann mit den paar Argumenten ab, die man ihnen in der Eile geben kann. Wenn man ihnen sagt: „Habt doch mehr innere Sicherheit!", dann antworten sie: „Wir sind doch so unsicher in unserem Zionismus." Wer hilft ihnen? Man müßte 10-, 20mal mit ihnen sprechen, um ihnen helfen zu können. Deshalb kommen sie doch ins K. J. V., um ihren Zionismus zu fundieren, damit er fürs Leben hält. Das ist die wahre Aufgabe des K. J. V., und nur dazu ist es da! Schwer genug ist diese Aufgabe; hier kommt es aber darauf an, wie wir in unseren Menschen die Leidenschaft zur Sache erzeugen. Viele Verbindungen verhalten sich ablehnend zu dieser Leidenschaft: „Das paßt nicht mehr zu uns!" Was so unglaublich deprimierend ist, ist die Tatsache, daß man sich im Grunde vor den Maßstäben fürchtet, die man anlegt. Ich verstehe, daß Chaluziuth bei uns etwas anderes ist als wo anders. Aber es kommt darauf an, mit einem gemeinsamen Gefühl die Dinge zu erleben. Ich komme hier zu der Hauptfrage des Präsidiums: Wir brauchen zunächst einmal wieder die Einheit, damit wir Sachen, denen wir allein nicht gewachsen sind, gemeinsam erfüllen, aber nicht so, daß als Störenfriede diejenigen empfunden werden, die zionistisch auf* wühlend eintreten, und daß man versucht, sie mit allen Mitteln zu bagatellisieren. Ich komme gerade aus Riga; da merkt man sofort etwas von lebendigem Zionismus, während hier versucht wird, ihn in Nebensätzen zu bagatellisieren. Die Zukunft des K. J. V., an die wir noch glauben, kann nur dann geschaffen werden, wenn allmählich', jetzt zunächst unter dem Zeichen der 62

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.