Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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mehr hatte, weil ich demselben Prozeß wie alle anderen: A. H. unterliege, erhob mich auf ihren Schild. Auch hier hatte ich das Gefül, daß dies der Idee galt (nicht der Person), daß jemand frei von Vorurteilen die Führung übernehmen solle. Tatsache ist, daß die Basis abgelehnt ist und wir uns nach einer anderen Lösung umsehen müssen. Auch diese muß von der Idee geleitet sein, die alten Gegensätze zu beseitigen. Wenn es nicht gelungen ist, jemand als unbeschriebenes Blatt an die Spitze zu setzen, dann muß ein anderer Weg beschritten werden. Dann muß diese Jugend, die doch genau weiß, worum es sich handelt, und bestimmte Ansichten über Erziehung hat, ihren Weg selbst gehen. Wir müssen verpflichtet sein, zu führen, bei entsprechender Situation aber auch mal ein paar Schritte zurückzutreten und zu sagen: Ueberlassen wir dieser Jugend die Wahl der Kartelleitung. Selbstverständlich müssen die A. H. mitarbeiten, soweit es nötig ist. Ich möchte nicht in eine sachliche Debatte eintreten. Dies war für mich unmöglich, weil man meine Stellungnahme als Kandidatenrede mißverstanden hätte. Jetzt ist der Augenblick zur Problemaufrollung nicht mehr gegeben. Man könnte gegen Herlitz vieles sagen, trotzdem manches zu Herzen ging und von Herzen kam, aber er war zu unkritisch gegenüber der Zukunft und zu sehr mit Sentiments belastet. Wir A. H. sollten in der offenen Erkenntnis, daß bestimmte Gegensätze immer noch bestehen, etwas zurücktreten, eine gewisse Quarantänezeit für die A. H. festlegen und die Anregung geben, daß wir den Jungen mehr Bahn machen. Jetzt sollte die Aktivitas aufstehen und sagen: Wir machen das Präsidium allein und verlangen von den A. H., die wir für geeignet halten, einzutreten. Die Jugend muß unabhängig von persönlichen Ressentiments, die Sache selbst in die Hand nehmen und sich durchsetzen. Dann werden wir in wenigen Minuten eine Leitung haben. Kanowitz: Der Kartelltag erinnert in peinlicher Weise an das, was sich vor zwei Jahren abgespielt hat. Auch damals standen sich zwei Richtungen gegenüber, Pro- und Kontra-Präsidium. Wir können aber heute sagen, daß die letzten Jahre nicht soviel Gutes gebracht haben, als daß uns nicht der Wunsch nach Neuem erklärlich ist. Lichtheim soll mir glauben, daß von uns kein Versuch gemacht worden ist, den Vorschlag, den das junge K. J. V. gemacht hat, zu provozieren. Wir haben uns auf positive Kartellarbeit beschränkt. Ich habe in Berlin mitgekämpft als anständiger Soldat. Ich habe mir niemals angemaßt, .irgendeine versteckte Opposition zu treiben. Man sollte nicht alles auf Technik und Wühlarbeit zurückführen, sondern es ist ein ganz natürlicher Prozeß, der hier wieder sichtbar wird. Auch ich bin nur durch eigene Schuld gestürzt worden. Gerade daran leide ich heute noch, daß ich durch eigene Schuld gestürzt wurde. Ich kann Lichtheim nicht zugestehen, daß .er jetzt sagt: Wir haben das moralische Recht, jetzt den neuen Präsidiumsvorschlag zu machen. Es gibt im K. J. V. keine ersessenen Rechte. Die Not des Kartells ist die Legitimation der opponierenden Gruppe. Das Präsidium aber maßt sich an, Richter und Angeklagter in gleicher 59*