Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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sich gehen lassen wollte. Die Ausführungen Czapskis veranlassen mich, hier zu sprechen, denn ich sehe, daß sich eine vollständig falsche Auffassung geltend gemacht hat. Als wir vor zwei Jahren das Präsidium übernommen haben, fanden wir das Kartell in einem desolaten Zustande vor. Daraus haben wir wieder etwas gemacht, und es war unser Personenkreis, der etwas daraus gemacht hat. (Zuruf: Organisation!) Zionismus haben wir gemacht und nicht bloß Organisation. Was heißt denn das, Organisation? Alles, was man tut und schafft, kann man unter diesen Namen zusammenfassen. Auf Grund unserer Tätigkeit hat man noch vor einem Jahr uns große Loblieder gesungen und hat uns mit großer Mehrheit wiedergewählt. Was ist inzwischen denn geschehen? Inzwischen hat sich das Kartell weiterentwickelt. Wir sind unseren Weg weitergegangen. In schwierigen außerzionistischen Lagen haben wir das Kartell aufrechterhalten und durch Gründung des Landesverbandes Palästina usw. Fortschritte erzielt. Es sind sogenannte politische Zwischenfälle erfolgt, die man weit über das zulässige Maß ausgebeutet hat. Mein Artikel, der in keiner Weise etwas mit dem Kartell zu tun hatte, sondern eine durchaus berechtigte Kritik in einem zionistischen Parteiblatt war, ist gegen mich in unerträglicher Weise ausgebeutet worden. Ich habe in dieser Situation die friedlichste Haltung eingehalten, die ich einnehmen konnte; als Bundesbruder, nicht als Politiker, als der ich vor einem Mann wie Bergmann nichts zu revozieren hatte. Weil sich aber gewisse Bundesbrüder verletzt fühlten, habe ich gesagt, deshalb und nur deshalb nehme ich die beanstandeten Stellen zurück. Das war eine Formsache. Ein Gentleman begnügt sich mit einer formalen Erklärung. Es gibt aber Leute, die eine solche Revokation benutzen, um sie politisch auszunutzen. Das war eigentlich das einzige, was gegen mich vorlag, und Stimmung gegen mich erzeugte. Wenn Ihr Zionisten sein wollt und an der Spitze einen alten Herrn haben wollt, dann wird dies immer ein abgestempelter politischer Mensch sein. Auch Rosenberg ist bereits abgestempelt. Man hat mich vor einem Jahr wiedergewählt, und inzwischen liegt nichts als dieser Artikel vor. Nun wäre es doch das Natürliche gewesen, daß, wenn ich erkläre, nicht wieder das Präsidium zu übernehmen, das Kartell gesagt hätte: Bitte, schlage uns du ein neues Präsidium vor. Dann hätte ich gesagt: Dieser Kreis, der das Kartell ordentlich geführt hat, hat den moralischen Anspruch darauf, das neue Präsidium zu bilden. Hierauf lag in der Tat ein natürlicher moralischer Anspruch vor. Inzwischen aber hatte sich die Gegnerschaft immer mehr organisiert und immer mehr Jüngere herangezogen. Da hat Tuchler etwas getan, was nicht unser aller Billigung fand, Besprechungen gemacht und Verhandlungen geführt, zu der die andere Seite eingeladen wurde. Auch ich war dabei. Wir haben ruhig und freundschaftlich miteinander diskutiert. Wir schlugen der anderen Seite eine möglichst starke Beteiligung am Präsidium vor. Würde es sich um nichts anderes handeln als das innere Bemühen, Streitigkeiten zu vermeiden, so war es das Gegebene, daß dieser Kreis in das Präsidium eintrat. Wollt Ihr ein anderes Präsidium, dann wählt das Präsidium, das Ihr wollt. Wir werden nicht dagegen revoltieren und Rundschreiben dagegen versenden, in denen 5a