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Der jüdische Student · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 54)
Language
German
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dem Präsidium Unfähigkeit vorgeworfen wird und andere Bundesbrüder empfohlen werden. Ich habe persönlich nichts gegen Rosenberg, der mir nicht zuviel, sondern zuwenig politisch festgelegt ist. Ich habe darzustellen versucht, daß selbst der ausgesprochenste Politiker das Präsidium so führen kann, und daß alle Richtungen in ihm vertreten sein können. Diesen Grundsatz habe ich eisern durchgeführt. Ich habe mich durchaus nicht um die politische Anschauung meiner Mitarbeiter gekümmert, und in dieser Weise habe ich das Kartell geführt. Ich glaube, wenn der Begriff der Bundesbrüderlichkeit irgendeinen Sinn hat, dann muß er darin gipfeln, daß der ausgeprägteste Parteimann das Kartell in dieser Neutralität führen darf, bei der alles gesprochen und gesagt werden darf, ohne daß man aus jedem Wort eine Tragödie macht. Selbstverständlich gibt e9 dabei gewisse Grenzen. Die politischen Gegensätze werden weiterbestehen, von denen das junge Kartell glaubt, daß sie an den Schwierigkeiten der Situation schuld sind. {Zuruf: Nicht politische, sondern k a r t e 11 politische Gegensätze.) Das ist falsch; da gibt es nicht zwei Gruppen, sondern fünf Gruppen. Neben den parteipolitischen Gruppen gibt es ein sogenanntes junges Kartell, das noch ziemlich undifferenziert ist, gibt es Gruppen, die das Wort Erziehung gegenwärtig mehr in den Vordergrund stellen usw. Das sind alles nur Nuancierungen, die nichts bedeuten. Ich1 bin überzeugt, daß in den vergangenen Zeiten auch mit Czapski usw. eine Einigung über diese Dinge durchaus hätte erfolgen können. Das ist meine wirkliche Auffassung. Meine Ansichten über Erziehung will ich hier nicht wiedergeben; zu diesen Grundsätzen habe ich im allgemeinen Zustimmung gefunden* auch zur Frage der Chaluziuth, wenn man auch mit Recht betont, daß hier ein Problem vorliegt, das man nicht einfach rhetorisch erledigen kann. Einer sagt so, einer so; in Wahrheit liegen hier aber keine bestimmten Differenzen vor. Einigkeit herrscht über die palästinozentrische Auffassung. Ob Ihr meint, daß die Altherrenarbeit im Vordergrund stehen soll, usw., das sind nicht die Differenzen, weshalb sich zwei Gruppen gegenüberstehen, sondern es sind politische Gegensätze. So liegen die Dinge in Wahrheit. Die einen verstehen unter zionistischer Arbeit mehr die Arbeit für den Keren Hajessod, für die Ortsgruppe (niemand ist dagegen), andere wieder sagen: Die Erziehungsaufgabe ist damit zu eng gefaßt; sie liegt mehr auf wissenschaftlichem Gebiete usw. Das sind aber alles keine Dinge, wegen deren man sich herumstreiten muß. Darum sage ich folgendes: Dieser Kreis hat zwei Jahre lang die Geschäfte geführt; wir geben unser Amt mit der ruhigen Ueberzeugung ab, daß wir ordentlich und anständig gearbeitet haben. Wir haben nichts dagegen, daß jetzt an unsere Stelle andere treten. Dann müssen sie auf ihre Verantwortung die Führung des Kartells übernehmen, wenn sie die Zusammenarbeit mit unserem Kreise ablehnen. Gerling: Es ist der Vorschlag aufgetaucht, ein junges Präsidium unter mir und Hans Anton Wolf f mit Unterstützung einiger A.H. zu bilden. Der persönliche Konnex 54

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