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Der jüdische Student · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 50)
Language
German
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wenn wir überhaupt über Erziehungsarbeit reden, welche Möglichkeiten wir haben. Es genügt doch nicht, zu sagen: das Kartell muß dies und diesi leisten, und begrüßenswerte und richtige Forderungen anhäufen. Schnurmacher hat richtig gesagt, daß wir im Programm uns wenig unterscheiden!. Aber es handelt sich entscheidend darum, sich über die Bedingungen klar zu werden, unter denen wir arbeiten, und worauf wir unsere Aufmerksamkeit zu richten haben. Da muß ich sagen, daß wir unter außerordentlich schwierigen Bedingungen arbeiten, unter bedeutend schwierigeren, als vor dem Kriege. Man muß sich hüten, natumotwendige Unzulänglichkeiten uns ausschließlich zur Last zu schreiben. Wir können z. B. nicht darüber hinwegkommen, daß die kritische zionistische Gesamtsituation einen deprimierenden Eindruck auf die Bundesbrüder macht. Ferner ist noch ein anderer wichtiger Punkt zu beachten, die Frag*e der Zielsetzung. Wir sind uns darüber klar, daß unsere Arbeit bedeutend leichter wäre, wenn wir z. B. einfach wie der alte Blau-Weiß „Chaluziuth" sagen könnten. Wir sind zwar verpflichtet und angewiesen, unsere Bundesbrüder auf irgendeine Weise mit Palästina zu verbinden, aber wir sind nicht in der Lage, unsere ganze Kartellarbeit auf Chaluziuth einzustellen. _ Als Erziehungsaufgabe neben der Verbindung mit Palästina steht daher die Erziehung zu verantwortungsvollen und tätigen Zionisten, vor dem Kriege wie jetzt, um hierdurch den Zionismus politisch zu beeinflussen!. Hier liegt unsere Spezialaufgabe: Wir haben keine Existenzberechtigung als besondere akademische Organisation ohne geistige Durchbildung unserer Bundesbrüder. Unsere Aufgabe ist es, diejenigen Leute heranzubilden, die imstande sind, in geistiger Beziehung Führer des Zionismus zu sein. Es scheint mir manchmal, als wenn diese Aufgabe, die ich fürj die wichtigste halte, etwas in den Hintergrund träte und man manchmal die Außenarbeit {an sich wichtig als Erprobung usw.) in den Vordergrund und die Ideologie in den Hintergrund schieben würde. Wir haben eine andere Schwierigkeit, die früher tiicht bekannt war, die uns in der Verbindungsarbeit hemmt, was auf der Erstchärgierten-Tagung zum Ausdruck kam. Die Bundesbrüder klagten darüber, daß es ihnen schwer gelingt, die jungen Bundesbrüder ganz in die Verbindungsarbeit hineinzubekommen, was auf den wirtschaftlichen Druck zurückzuführen ist und nicht nur auf Interesselosigkeit. Das ist ein Faktor, dem wir unsere Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Es handelt sich hierbei um eine Zeiterscheinung, über die in allen Bewegungen geklagt wird. Jacoby: Ich komme als Provinzler zu euch. Es fällt uns auf, daß eine Frage, die früher immer diskutiert wurde, nicht mehr diskutiert wird: ob das K. J. V. eine Existenzberechtigung hat. Das kommt von dem gewonnenen Selbstvertrauen. Steht diesem Selbstvertrauen ein Aequivalent der zionistischen Leistung gegenüber? Diese Frage stellen, heißt sie verneinen. Man denke sich einmal die jungen Bundesbrüder aus dem Kartell fort, dann würde man folgenden Zustand konstatieren: Das Kartell würde dann nur noch für sich leben. Das junge Kartell hat keinerlei Leistung aufzuweisen. 50

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