Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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uns, und wie wird das K. J. V. ihnen gerecht? Hat das K. J.V. in seinen Trägern, das heißt in seinen einzelnen Mitgliedern, den Willen und die Fähigkeit, diesen zionistischen Anforderungen gerecht zu werden, oder will es sich etwa darauf beschränken, nur in zweiter oder dritter Linie zu verharren? Ich komme zunächst auf den von Schloß besonders betonten Punkt der Berufsberatung zu sprechen. Eins vorweg genommen: Ich glaube, daß es sich hierbei um eine Frage handelt, die man erledigen muß, aber um keine Frage des Programms. Ich könnte mir ein ungeschriebenes Gesetz vorstellen, daß man Bundesbrüder beruflich unterstützen muß, und ich glaube, daß hier noch genug zu tun ist. Es fragt sich aber, ob man dieser Frage eine derartige Bedeutung und Beschwerung geben darf. Es gibt in unserem Kreise eine erhebliche Anzahl von wohlhabenden Alten Herren, und wenn ihre zionistische Leistung adäquat wäre, dann müßte es herrlich bei uns sein! Wo sind sie bei der Maasserleistung und bei wirtschaftlicher Chaluziuth? Auch in diesen Fragen gab es ein Versagen. Wir kennen die Schwierigkeiten bei den Bundesbrüdern, in der heutigen schweren Zeit hier einzugreifen. Aber wir müssen fordern, daß sie mindestens einen Teil ihrer Mittel in Palästina anlegen. Denn wenn auch wir dafür sind, daß unsere Bundesbrüder gut verdienen, so wollen wir, daß sie auch für uns und unsere Sache dieses Geld verdienen! Noch ein zweites: besteht denn diese schwierige wirtschaftliche Situation nur bei uns? Haben denn in den anderen Verbänden, wo dieselben Menschen zum Teil mit denselben Berufen sind, diese Menschen nicht mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen, und sind sie doch nicht mit einer ganz anderen zionistischen Intensität erfüllt? Ich glaube nicht, daß das K. J. V. entscheidend durch wirtschaftliche Schwierigkeiten gehemmt wird. Darum sage ich: diese Dinge sind kein Programmpunkt; man muß sie tun, darf aber nicht den Schwerpunkt darauf verlegen. Auch vor dem Kriege war Zionismus bereits Leben und Erfüllung; schon 1911 bestand ein Beschluß in Deutschland, daß jeder deutsche Zionist Palästina in sein Lebensprogramm aufzunehmen habe. Den Weg des K. J. V. zu kennzeichnen und einige Richtlinien zu geben, dazu seien mir vorher einige kritische Bemerkungen gestattet. Man fragt: Was ist denn das junge Kartell? Die Generation von 1902, die vor oder die nach dem Kriege? Ich glaube, daß diese Kennzeichnung nach Jahrgängen nicht nötig ist. Wenn ich zur Kritik dieses K. J. V. komme und das Empfinden habe, daß diese Kritik nicht nur bei uns geteilt wird, so möchte ich dies folgendermaßen kennzeichnen: ich habe das Gefühl einer Enge, über die das K. J. V. nicht mehr hinwegkommt. Es lebt innerhalb der vier Wände seiner Wohnung, über die es nicht herausblicken kann, gleichsam in einer Retorte. Es genügt heute nicht, daß das K. J. V. sich selbst genug ist. Sondern es muß sich bestimmte erzieherische Aufgaben setzen. Ich habe oft das Empfinden (es liegt nicht nur an der Arbeit des Präsidiums), daß wir einen Leerlauf des Betriebes haben. Es herrscht bei uns eine Atmosphäre, der Langeweile und Interesselosigkeit, die es Menschen aus der Jugendbewegung schwer macht, zu uns zu kommen. Wir müssen uns klar sein über unsere Stellung in der jüdischen und zionistischen Welt. Einiges Prinzipielle hierzu: 44