Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdische Welt hat viele Dinge von uns übernommen, Hebräisch, die Beschäftigung mit jüdischer Geschichte usw. und glaubt nun, deshalb über unseren Zionismus erhaben zu sein. Wir müssen unseren Bundesbrüdern sagen: Alles, was diese Menschen tun: Hebräisch lernen usw., ist irrelevant für die jüdische Zukunft. Das Entscheidende ist für uns Palästina, und nur mit Palästina ist eine Galuthexistenz möglich. Hier ist der Punkt, von dem aus wir an die Juden außerhalb des Zionismus heranzugehen haben. Für uns ist Palästina als Lösung der Judenfrage die einzige Chance und nicht eine Sache, die man auch tun kann. Zu dieser Erkenntnis unsere Bundesbrüder zu führen, ist die Aufgabe unserer Erziehung. Als Zweites kommt hinzu, daß wir National juden sind. Was heißt das? National sein bedeutet keine Forderung an andere, sondern an uns: Ein Mehr an Opfersinn, ein Mehr an Hingabe an unser Volk. Dieser Nationalismus der Hingabe, des Opfermuts wird nie Chauvinismus werden. Ich behaupte, daß im Zionismus eine aktive Jugend vorhanden ist, mit denselben Schwierigkeiten nach außen und innen wie wir, aber es herrscht dort ein lebendiger, zionistischer Geist, ein warmer Kontakt mit dem zionistischen Leben und den Chawerim in Palästina. Ich glaube, daß auch wir aus der jetzigen Situation herauskommen und bereit sein müssen, hinüber zu gehen, soweit hierfür eine Möglichkeit besteht. Wir dürfen nicht von vornherein eine Verzichtstellung einnehmen. Dies sage ich, sind die Höchstforderungen, denen das K. J. V. gerecht werden muß. Ich glaube, daß ein K. J. V. nie darauf verzichten kann, Menschen für den Aufbau zu stellen. Ich weiß sehr wohl (gerade hier in Dresden hatte sich unser damaliges Präsidium gegen die rein proklamatorische Forderung einer Chaluziuth abgegrenzt), daß es heute nicht mehr möglich ist, mit einem Male eine Chaluzbewegung hervorzurufen. Aber wir machen uns die Entscheidung zu leicht; wir sagen zu leicht hin: „Es geht nicht, wir können das nicht von unseren Bundesbrüdern verlangen." Wie ist nun das Ziel zu erreichen? Dadurch, daß man verschiedene Dinge tut, zum Teil ganz einfache Dinge, die man beginnen muß, mit denen wir nicht länger warten dürfen, weil Palästina nicht warten kann. In der Tat ist ein erzieherisches Moment, das dieses K. J. V. immer gehabt hat, die Erziehung durch das Beispiel. Wenn wir Zionisten geworden sind und in diesem K. J. V. unsere Heimat gesehen haben, so deshalb, weil es Menschen gab, die ein Beispiel boten. Aber wir müssen darauf dringen, daß ein Mehr hinzukommt: Es herrscht bei uns ein erschreckender Mangel an Bildung auf allen Gebieten. Da9 nächste Präsidium muß vor allem den Unterricht systematisieren und das nötige Bildungsmaterial heranschaffen. Das Zweite ist das Erlernen der hebräischen Sprache. Es handelt sich hier allerdings um keine neue Frage. Man ist jetzt sogar vielleicht der Forderung schon etwas näher gekommen. Aber das bisherige Resultat genügt nicht. Hier liegt eine entscheidende Aufgabe des K. J. V., die gelöst werden muß. Es gibt in Berlin z. B. ein Beth-Am, an dem sich da9 K. J. V. kaum beteiligt. 45