Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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diesem Kreise auszuschalten, wenn man die Pflichten verletzt, die das Fundament dieses Kreises bilden. Vielleicht wird es auch gelingen, in diesen örtlichen Kreisen das sehr brennende und niemals offen erörterte Problem der Eingliederung der Bundesbrüderfrauen in das K. J. V. seiner Lösung etwas näherzubringen. Dieses Problem, das in der Frage der Frau eines Bundesbruders am die Frau eines anderen Bundesbruders liegt: „Hassen Sie eigentlich das K. J. V auch so wie ich?" Im Rahmen dieser örtlichen Kreise wird es vielleicht auch möglich sein, die isoliert auf dem flachen Lande und in den kleinen Städten/ lebenden Alten Herren, die aus Mangel an jedwedem Konnex mit einigermaßen gleichgesinnten Menschen völlig dem Philisterium verfallen sind, für die zionistische und unsere Welt wieder zu gewinnen. Was diese örtlichen Kreise im einzelnen tun, und wie sie auf die einzelnen Bundesbrüder einwirken könnten, das hier zu erörtern, ist zwecklos. Der Erfolg dieser örtlichen Kreise, wie überhaupt die Möglichkeit sie zu bilden, hängt davon ab, ob man einen Bundesbruder findet, der Initiative und Autorität für diese Aufgabe besitzt, die keine Frage der Theorie, sondern der praktischen Durchführung ist. Sicher ist nur dies eine: solange nicht alle Mittel erschöpft sind, die Alten Herren, die heute für uns nur noch auf dem Papiere stehen, für ein mäßiges Maß zionistischer Aktivität und die Maasserverpflichtung zu gewinnen, und solange wir nicht das Gefühl haben dürfen, das menschenmögliche getan zu haben, dürfen wir uns nicht auf den bequemen Standpunkt stellen, diese Menschen seien zu nichts Besserem gut, als schleunigst vergessen zu werden. Wir sind dafür an Menschen nicht reich genug. Was nun das junge Kartell anbelangt, so muß man sich zunächst darüber klar sein, daß es ein der geistigen Struktur nach einheitliches junges Kartell überhaupt nicht gibt. So etwas gab es vor dem Kriege, und es wird es irgendwann einmal wieder geben. Aber in diesem Augenblicke haben wir ein junges Kartell, in welchem sich deutlich drei Schichten unterscheiden lassen: eine älteste Schicht, die im Kriege aufgewachsen und durch den Kriegsausgang mit Ressentiment gesättigt ist gegen die Welt bis 1914. Ihr Zionismus ist teils aus Ressentiment, teils aus der Begeisterung der Zeit von der Balfour-Deklaration bis San Remo entstanden. Das ist jener berühmte Jahrgang 1902, der weder zur alten Zeit gehört, noch zur neuen, aber der Vorkriegsgeneration näher steht, als sie selbst glaubt und weiß. ' Dann gibt es eine mittlere Schicht, die aus eigener Anschauung vom Kriege nur wenig und von der Zeit vor dem Kriege nichts mehr weiß, die ihre entscheidenden Jugendeindrücke in den anarchischen Jahren 1919 bis 1923 empfangen hat, für die Balfour-Deklaration und Mandat bereits gegebene Tatsachen sind, die in der Jugendbewegung aufgewachsen ist, jedenfalls aber weder von sich noch von Haus aus grundsätzliche Widerstände gegen den Zionismus hat. Und da ist schließlich die jüngste Schicht, deren Entwicklung in die Jahre der deutschen Wirtschaftskrise seit 1924 fällt, die weiß, öder doch wenigstens ahnt, was Not und Unsicherheit ist, 40