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Der jüdische Student · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 39)
Language
German
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ieren, sondern Existenz und Aufgaben des jungen und des alten Kartells in ein organisches Gleichgewicht zueinander bringen. Wie notwendig das ist, und wie wenig mit ausgeklügelter Dialektik daran geändert werden kann, zeigt das zahlenmäßige Verhältnis des jungen zum alten Kartell: von den 2000 Bundesbrüdern des heutigen Kartells entfallen 1500 auf die Ah> herrenschaft und nur 500 auf die Aktivitas. In zehn Jahren werden es, wenn sich die zahlenmäßige Entwicklung im gegenwärtigen Tempo fortsetzt, 2500 Alte Herren und wieder nur 500 Aktive sein. Dieses Zahlenverhältnis zeigt, wie irreal alle jene Konstruktionen sind, die aus dem K. J. V. eine reine Jugendbewegung machen wollen. Wie sieht es nun in dieser Altherrenschaft aus? Das Präsidium hat zu Beginn des letzten Kartelljahres Fragebogen an sämtliche Alten Herren geschickt, von denen etwa ein Drittel, nämlich rund 500, beantwortet zurückgekommen sind. Zionistisch gesehen ist das Bild, das dieses Fragebogenmaterial vom alten Kartell zeichnet, nicht erfreulich. Auf runde Ziffern gebracht und verallgemeinert sieht das Bild etwa folgendermaßen aus: 20 % der Altherrenschaft ist zionistisch und jüdisch wirklich aktiv. 30 o/o stehen hart an der Peripherie zionistischer und jüdischer Tätigkeit und der Rest —- ist Schweigen. Vielleicht: ist ein Teil dieses Restes gute Zionisten im eigenen Hause — aber nach außen tritt ihr Zionismus und! das, wozu sie im K. J. V. erzogen worden sind, nicht in Erscheinung. Die Frage ist nun: was soll man mit diesen Bundesbrüdern anfangen, die sozusagen in Beruf und Familie untergegangen sind? Es gibt Menschen unter uns, — wir haben vorhin von ihnen gesprochen — die sagen: wenn diese inaktiven Bundesbrüder aus Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit inaktiv sind, und wenn sie außerdem ihre Verpflichtungen gegenüber dem Keren Hajessod nicht erfüllen, dann soll man sie hinausschmeißen. Denn sie vergiften das ganze Kartell mit ihrer unzionistischen Haltung. Ich frage dagegen: was wird aus diesen Menschen, wenn sie auch den letzten Zusammenhang mit dem Kartell verloren haben, und ich frage weiter: gibt es keine Möglichkeit, diese zionistisch gefährdeten Bundestbrüder in eine Zwangsläufigkeit einzuschalten, der sie sich nicht ohne weiteres entziehen können. Hier nun muß gesagt werden, daß die Bezirksverbände und Altherrenbünde in ihrer heutigen Organisation nicht ausreichen, um diese zionistisch gefährdeten Bundesbrüder, die in keiner unmittelbaren bundesbrüderlichen Gemeinschaft mehr stehen, vor den Versuchungen des Berufs und der Familie zu schützen. Ein Bezirksverbanid, der ein weites Gebiet umfaßt, und seine Mitglieder jedes Jahr zwei- oder dreimal versammelt, kann diese Funktion nicht erfüllen. Was nötig ist, das sind örtliche Zusammenfassungen innerhalb der Bezirksverbände, die die gesellschaftlichen Beziehungen der an einem Orte ansässigen Alten Herren, die häufig überhaupt nicht vorhanden sind, schaffen und pflegen, die Regelmäßig zusammenkommen, um die Arbeit in der Ortsgruppe und der Gemeinde zu besprechen, die zionistische und jüdische Tätigkeit eines jeden einzelnen anzukurbeln und in Gang zu halten, kurz: in einer geselligen Atmosphäre die erwähnte Zwangsläufigkeit schaffen, die darin besteht, daß man Gefahr läuft, sich selbst aus* 6* 39

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