Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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Pollack hat gesagt, er hätte alle gemeint; er meinte das System. Er hat das schlechthin gesagt und kann nicht einsehen, daß sich davon ein Einzelner getroffen gefühlt hat. Wir haben uns alle getroffen gefühlt. Wir wünschen nur, daß im zionistischen Leben immer mit der gleichen Offenheit zurückgenommen wird, wie wir das tun. Es wurde uns der Vorwurf gemacht, daß wir zionistisch nichts getan hätten. Die wesentlichste Aufgabe des Kartells ist es, zionistische Menschen zu gewinnen. Wenn wir 250 Menschen gewonnen haben, so ist das auch etwas Zionistisches; wenn die Altherrenschaft sich zionistisch betätigt, so ist das auch zionistische Arbeit; wenn ein Landesverband Erez-Israel gegründet wurde, so ist das auch zionistische Arbeit. Wir hatten zionistische Auseinandersetzungen in Berlin. Blumenfeld hat in einem sehr großen Kreise «gesprochen, Bileski hat gesprochen, das ist auch zionistische Arbeit. Wenn Förder sagt, Aussprache und Diskussion im J. St. und die Führung des Kartells hat sich gegen die Agency ausgesprochen, so muß ich sagen, daß wir alle Anhänger der Agency sind. Und wenn das Lichtheim nicht ist, so kann man nicht sagen, das Präsidium habe so Stellung genommen. Zu dem, was Gurewitsch gesagt hat: Riga ist eine Verbindung, die erst ein Jahr im Kartell ist. Er ist über die Verhältnisse in Deutschland noch nicht so orientiert. Wenn das K. J. V. für alles das, was auf zionistischem Gebiet nicht geschehen ist, allein verantwortlich gemacht werden würde, dann weiß ich nicht, welche Aufgabe die Z. V. f. D. noch hat. Tatsache ist, daß auf dem letzten Delegiertentag 30 % und im Landesvorstand 50 °/o K. J. V.er waren. Es wird so dargestellt, als wenn man von uns die Ausgießung des heiligen Geistes erwartet hat. Aber ihr könnt keine Leitung wählen, von der ihr programmatisch verlangt: Gießet den heiligen Geist aus! Auf die Verwirklichung des Notwendigen und Möglichen kommt es an, nicht auf Proklamationen, hinter denen weder der Wille noch die Fähigkeit zur Verwirklichung steht. Sonniagnachmittag - Sitzung. In der Mittagspause hat eine Erstchargierten-Tagung stattgefunden. Auf der Tagesordnung stehen die Referate von Schloß und Hilb und zwölf Wortmeldungen zur Generaldebatte. Zunächst erhält das Wort zu einer Erklärung Schloß: Ich möchte zu der Angelegenheit des Pollakschen Artikels im J. St. Stellung nehmen. Ich bin für die Aufnahme dieses Artikels verantwortlich. Es ist nicht so, daß ich die beanstandeten Stellen übersehen habe. Ich habe die beanstandeten Ausdrücke stehen lassen, weil ich der Auffassung bin, daß wir im J. St. eine freie Meinungsbildung haben und erhalten müssen, selbst auf die Gefahr hin, daß, wie in diesem Falle, einmal sehr scharfe Ausdrücke fallen. Ich habe mich um so mehr für berechtigt gehalten, diese Ausdrücke stehen zu lassen, weil sie sich nicht gegen eine einzelne Gruppe richteten, sondern gegen alle Gruppen — 36