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Der jüdische Student · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 34)
Language
German
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fruchtbringend ist. Weitere Ausführungen sind erst möglich nach dem Refevon Schloß. Gurewitsch: Zwei Jahre dauert die Konsolidierungsarbeit des heutigen Präsidiums, eine Arbeit, die zur organisatorischen Stärkung des Kartells geführt hat. Wir alle wissen, daß es Zeiten gibt, wo eine Konsolidierungsarbeit notwendig ist, um innere Kraft, neue Wiege und neue Ideen für die zu leistende Arbeit zu gewinnen. Das haben wir im zionistischen Leben erlebt; wir haben gesehen, daß solche Epochen notwendig sind, um die Bewegung weiter zu fördern und im schnelleren Tempo zu führen. Wenn ich aber die Arbeit des Präsidiums betrachte, so muß ich ganz offen sagen, daß aus dieser Konsolidierungsepoche bisher nichts Neues erwachsen ist und nichts Neues an Ideen kommen kann. Die neue Generation der jungen Bundesbrüder hat völlig die Orientierung im zionistischen Leben verloren; die neue Generation wächst im zionistischen Leben ganz exklusiv, eingeschlossen in die gegebenen Formen, auf. Ich zweifle, ob sie etwas für den Zionismus in Deutschland und Lettland bieten wird. Diese neue Generation wird sicher das nicht bringen, was die alte Generation uns gegeben hat. Diese Stagnation und Erstarrung in akademischen Formen hat dazu geführt, daß in einer Zeit, wo das K. J. V. äußerlich so gut aussieht, innerlich das Leben in den Verbindungen ganz tot ist, daß dieses Leben nichts den jungen und älteren Btindesbrüdern zu geben hat, und die Kraft zur Gewinnung neuer Menschen verloren gegangen ist. Mit dem heutigen K. J. V.-Gedanken können wir in Lettland, wo es noch eine andere zionistische akademische Verbindung gibt, nicht mehr neue Menschen gewinnen. Ich muß ganz offen sagen, hätten wir uns in unserer Arbeit auf der Basis des Präsidiums gehalten, dann hätten wir nie neue Menschen gewinnen können. Denn diese erschlaffte und konsolidierte Gemeinschaft kann uns nichts geben, was einer anderen starken Gemeinschaft gegenübergestellt werden könnte. Wir haben eine Tagung gehabt, zu der Bundesbrüder aus dem Reiche kamen, und wir mußten erleben, in welcher inneren Unsicherheit diese Bundesbrüder zu uns gekommen sind. Es war kurz nach der Berliner Erstchargierten-Tagung. Auch Bbr. Kantor konnte uns nichts von dieser Tagung mitbringen. Wir haben in Riga glänzende Möglichkeiten für eine zionistische Intensivierung unserer Menschen, doch müssen wir in Riga unseren Weg allein gehen. Wir haben gestern das Referat von Goldmann gehört über die Diskrepanz von Idee und Wirklichkeit. Es ist so, daß im K. J. V. die Spannung vorhanden ist, aber die Menschen (hieran hat das Präsidium schuld) haben die Ideen verloren. Sie werden nicht im Geiste zionistischer Ideale ausgebildet, sondern als Gemeinschaft von Akademikern, die gewisse bundesbrüderliche Beziehungen haben. Wir können unter dieser Führung nicht die Verantwortung für die jungen Menschen übernehmen. Ich muß offen gestehen, daß unsere Menschen unter dieser Führung die Ideen nicht verstehen und erleben können; das ist unmöglich. Ich weiß, daß auf vielen Gebieten zionistischer Arbeit eine Ermüdung gerade in den jungen Kreisen herrscht, und wie schwer es ist, einen jungen Bundesbruder zu zionistischer Arbeit zu erziehen. Das ist eine Folge der Konsolidierungsarbeit und der 34

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