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Der jüdische Student · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 33)
Language
German
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wiederum den Fehler, alles von der Leitung zu erwarten und jedes Manko in der Verbindungsarbeit dem Präsidium zum Vorwurf zu machen. Wenn ein Präsidium arbeiten kann und erfolgreich arbeiten soll, so muß dies zur Voraussetzung haben, daß hinter ihm ein Kartell steht, das die Arbeit trägt. Nicht von oben herab ist die Arbeit zu machen, sondern sie ist abhängig von dem Geist, der in den Verbindungen herrscht. Der umgekehrte Weg ist falsch. Wenn wir auch einzelne Maßnahmen kritisieren müssen, so dürfen wir doch nicht den Vorwurf für jedes Manko dieses Jahres gerade gegen das Präsidium erheben. Wie stellt Ihr Euch vor, daß ein Präsidium unmittelbar die Verbindungsarbeit beeinflussen soll? Diese Möglichkeit besteht nur in beschränktem Maße, nur insoweit, als aufnahmebereite Leute vorhanden sind. Sonst ist keine Möglichkeit zu einer fruchtbaren Arbeit gegeben. Also fällt ein großer Teil der Vorwürfe auf die Verbindungen zurück, die nicht genug lebendiges Leben entwickelt haben. Ich muß selbst bekennen, daß ich der Arbeit des Erziehungsressorts mit einiger Skepsis gegenüberstehe und die Ergebnisse gerade dieser Arbeit nicht zu den besten rechne. Aber das ist kein Grund, in der Fornij, wie es hier geschah, über das Präsidium den Stab zu brechen. Ihr habt selbst aus den Vorschlägen dieses Präsidiums ersehen können, daß ein Kreis von jungen Bundesbrüdern vorhanden ist, um die Erziehungsarbeit künftiger Jahre zu leisten, der dazu ebenso legitimiert ist, wie jeder andere Kreis. Vorwürfe wegen der Erziehungsarbeit sind vor allem gegen die Fuchsmajore zu erheben, nicht gegen das Präsidium, das sich nur auf Anregungen beschränken kann. Die Tatsache, daß ein älterer Kreis von Bundesbrüdern die Führung übernommen hatte, war doch in einer Situation begründet, die wir alle überwinden wollten: in der Situation eines vollständigen organisatorischen und finanziellen Ruins des Kartells. Wenn die Ueberwindung dieser Krise geglückt ist, so liegt das doch vor allem daran, daß ältere Menschen an der Ueberwindung dieser Schwierigkeiten mitgewirkt haben. Jetzt ist der Augenblick zur Ersetzung dieser älteren Bundesbrüder durch einige jüngere Bundesbrüder gekommen. Mich hat gewundert, daß es üblich geworden ist, Personalaffären in der zionistischen Oeffentlichkeit zu besprechen. Ich war erstaunt, daß der Pollack'sche Artikel in der übrigen Oeffentlichkeit zur Diskussion gestellt wurde. Das schadet nur dem Kartell. Es ist hier die Frage nach dem Weg, den das Kartell gehen soll, erhoben worden. Bisher aber ist ein solcher in der Diskussion auch noch nicht gezeigt worden. Wir alle kennen unsere Aufgabe, tragende Schicht des Zionismus in Deutschland zu sein. Wir Jüngeren sind bereit, diesen Weg zu gehen. Aber er ist nicht der Reservatweg einer bestimmten Gruppe. Wir alle werden ihn gehen, gleichviel wie das Präsidium aussieht. Jeder Bundesbruder, der fähig und arbeitswillig ist, wird diesen Weg gehen. Man hat hier gesagt, daß der K. J. V.er Stellung zu den zionistischen Grundfragen nehmen muß. Was kann das Präsidium hierfür tun? Selbst wenn es hierfür etwas tut, was für ein Ergebnis wird das haben? Entscheidend ist vielmehr, inwieweit Bundesbrüder in der Verbindung das Kartell vorwärts treiben. Ich habe zu diesem Präsidium trotz mancher Fehler das Vertrauen bewahrt, und ich glaube, daß es aus seinen Fehlern lernen wird, und daß der neue Vorschlag 33

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