Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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Winter: Königsberg war sonst immer vertreten durch die ältere Generation. Jetzt haben wir mit dieser Tradition gebrochen und uns durch die junge Generation vertreten lassen, die versuchen will, zu zeigen, wie sichc in dem Augen derer, in denen das zionistische Erlebnis sich neu formt, die Dinge spiegeln. Ich will schildern, wie von Königsberg aus die Aufgaben des K. J. V. aussehen, und wie wir uns eine lebendige Fortentwicklung denken. Die Verbindung ist der Ort, wo junge Menschen zu Zionisten gemacht werden. Hier lernen sie zum erstenmal den Zionismus kennen, der für sie durch das K. J. V. schlechthin verkörpert wird. In diese Leute pflanzen wir den zionistischen Gedanken. Wir zeigen ihnen die Notwendigkeit einer radikalen Aenderung ihrer Persönlichkeit und der Existenzform des jüdischen Volkes. Wir müssen sie glauben lehren, das Schlechte umgestalten zu können. Vom pädagogischen Standpunkt aus erscheint daher der Artikel \on Schloß im J. St., in dem die Situation so dargestellt wird, als ob es ein!e exceptio generalis gibt, durchaus verfehlt. Wie soll dieser Artikel wirken, nachdem man jungen Menschen die Unmöglichkeit ihrer Situation dargestellt hat! Das ist das am meisten deprimierende, daß die Leitung in der Hand von Leuten lag, die nicht den Glauben an die Entschlußkraft der jungen Generation hatten. Wir verkennen gewiß nicht die objektiven Schwierigkeiten und ihre Größe, aber der Gegensatz ist nicht das Sichdar über hin wegsetzen durch schäumende Rhetorik, sondern man muß die Realitäten sehen und dennoch die Schwierigkeiten überwinden. Wenn man aber sagt, daß die Schwierigkeiten so groß sind, daß man sie nicht überwinden kann, dann geben wir uns selber auf. Wir entlasten den einzelnen vom Zwang zur persönlichen Entscheidung, gegen alle Hemmnisse und über sie hinweg im Dienste einer Idee zu einer Neugestaltung seines Daseins zu kommen. Das drückt uns so nieder. Wir haben den Glauben, daß die Welt nicht nach unabänderlichen Gesetzen geht (auch im Zionismus). Wir können zwar nicht von der Gesamtheit des Kartells fordern: wir gehen nach Palästina, aber unmöglich ist es auch, zu sagen: Wir gehen nicht, und wollen nicht davon reden, vorläufig warten wir ab, vielleicht wird etwas geschehen. Wenn wir erst mit dem Ringen um die Seele des einzelnen aufhören, dann wird sich der Wille nie wieder einstellen. Man kann nicht eine günstige Situation abwarten, um zu einer tieferen Umgestaltung zu kommen. Es ist pädagogisch unhaltbar, den Kampf um die Seele der jungen Menschen aufzugeben. Aus dieser pessimistischen Grundanschaung heraus kann; unmöglich ein Durchbruch zum Zionismus erfolgen. Weil wir nicht an die Schlechtigkeit der jungen Generation glauben, deshalb glauben wir zugleich, daß trotz aller Gegensätze und Schwierigkeiten auch heute unter dem Einfluß zionistischer Gedankengänge die Möglichkeit vorhanden ist, die Idee in Realität umzugestalten, wenn nur der Wille vorhanden ist, mit allen Mitteln den Zionismus zu fördern und aus unserem heutigen schlechten Zustande herauszukommen. Capell: Man hat in den bisherigen Ausführungen das Präsidium einer scharfen Kritik unterzogen. Soweit ich diese Kritik für berechtigt halte, kritisiere ich mit derselben Offenheit. Aber es muß eins gesagt werden: Wir machen 32