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Der jüdische Student · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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Noch etwas anderes, was nicht ganz neu für mich und entscheidend für die Entwicklung des K. J. V. ist. Lichtheim hatte bei Uebernahme der Leitung sich für eine Durchführung der politischen Diskussion bei uns eingesetzt. Für uns alle ist es selbstverständlich, daß das K. J. V. nicht hereingezogen werden soll in den politischen Kampf, und daß politische Abstimmungen unmöglich sind. Aber ebenso selbstverständlich ist es, daß alle Versuche gemacht werden müssen, um das K. J. V. in das zionistische Leben] hineinzuführen. Wir werfen dem Präsidium vor allem den Mangel jeder zionistischen Perspektive vor. Lichtheim hätte in seinem Vorwort eine sachliche Spannung schaffen müssen. Wo bleibt der zionistische Weg, den wir gehen wollen und müssen? Lichtheim hat zwar diesen Weg der zionistischen Auseinandersetzung gebilligt, aber nicht durchgeführt. Ich habe schon früher gesagt: Wenn dem K. J. V. nicht die Eingliederung in die zionistische Welt gelingt, dann wird weder dieses, noch ein anderes Präsidium die Kraft haben, das K. J. V. zu erhalten. Man hat zwar einen J. St. über die Araberfrage herausgebracht, aber das war zu wenig'. Es ist keine Eingliederung in dem Maße erfolgt, wie wir sie verlangen müssen. Ein konkreter Beleg dafür: Die letzten beiden Jahre waren zwar erfüllt von leidenschaftlichen Auseinandersetzungen über die Agencyfrage und die Palästina Vorgänge. Warum hat das K. J. V. nicht an dieser Entwicklung teilgenommen, und zwar nicht nur durch Vorträge von Lichtheim oder Blumenfeld, sondern durch Bemühungen jedes einzelnen? Ich fordere, daß als wichtigster Punkt der Versuch gemacht wird, diesen Weg vorwärts zu gehen. In der Araberfrage brauchte das Präsidium zwar keine bestimmte Lösung zu empfehlen, aber es ist ihm auch nicht gelungen, das K. J. V. jan der Auseinandersetzung hierüber teilnehmen zu lassen. Das Lesen des J. St. allein genügt noch nicht. Jeder müßte zu dieser Grundfrage Stellung nehmen, die es wirklich verdiente, diskutiert zu werden. Das K. J. V. ist auf die Dauer nicht zu erhalten, wenn es nicht möglich ist, diese Dinge ernsthaft zu diskutieren. Es dürfen nicht immer wieder nur zwei, drei Leute auftreten, sondern es muß eine lebendige zionistische Diskussion erfolgen. Wenn das Präsidium mit wirklichen Perspektiven vorangegangen wäre an Stelle der Kultivierung des K. J. V. als solchen, und erklärt hätte, daß das K. J. V. nur soviel wert sei, wie seine Geltung im Zionismus, danin würden wir heute auf diesem Wege, den wir gehen müssen, weiter sein. Ich habe dieses Programm schon früher vertreten, und es ist gewiß nicht falsch, wobei es auf Einzelheiten nicht ankommt. Vollste Neutralität muß herrschen, aber man muß mit aller Kraft den Versuch machen, alle Bundesbrüder zu politischen Menschen zu erziehen. Wenn man immer, wie gestern erst wieder Goldmann, von einer Regeneration sprach, dann darf die Diskussion nicht immer von denselben Menschen geführt werden, sondern es muß ein ganzer Kreis heranwachsen, der an der Gestaltung der Dinge teilnimmt. Im Laufe der letzten fünf Jahre ist diese Funktion nicht erfüllt worden. Wir müssen aber diesen Weg mit leidenschaftlichem Willen gehen. Ich fasse zusammen: Ich sehe neben Positivem erstens die Notwendigkeit der Wiederherstellung des bundesbrüderlichen Vertrauens. Ferner müssen wir vor allem zwei Dinge fordern: eine stärkere Eingliederung in die zionistische Welt und stärkere Betätigung in der Außenarbeit, insbesondere 30

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