Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537812-3537814--7501-3545544- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
müssen, so wird in einzelnen Fallen jungen Verbindungen die Kartellhilfe nicht versagt werden können. Der Kartelltag sollte auch hierzu bestimmte Richtlinien geben. Wie die Ordnung der Finanzen wird auch das regelmäßige Erscheinen des J. St. längst wieder als eine Selbstverständlichkeit empfunden. Ich will auch über den J. St. nicht viel sprechen. Ihr habt ihn alle stets genau gelesen. Hatten wir im vorigen Jahre versucht, möglichst viel Material über die zionistische Bewegung in Beziehung auf die Jugendbünde zu bringen und den Anfang mit einer groß angelegten Erziehungsdebatte gemacht, so wollten wir in diesem Jahre im Anschluß an die Sondernummer zum Kongreß, die auch außerhalb des K. J. V. besondere Beachtung fand, eine Darstellung der palästinafreundlichen Bewegungen im Zusammenhang mit der Agency bringen. Es war bereits das Material für diese Agency-Nummer gesammelt, in der eine Reihe prominenter Zionisten und Nichtzionisten, deutscher Juden und anderer, ihre Vorstellungen von der Aufgabe der Agency niedergelegt hatten. Bevor jedoch dieser J.St. erschien, wurden wir von den Ereignissen in Palästina überrascht und sahen es nun als unsere dringlichere Aufgabe an, Informationen über Palästina, besonders aus der Feder unserer Bundesbrüder dem Kartell zu vermitteln- und klar zum Ausdruck zu bringen, daß unsere Arbeit in ungebrochener Kraft und Zuversicht weitergeht. Bei der Diskussion über die Ursachen der Unruhen rückte dann die Araberfrage in den Vordergrund, und wir machten es uns zur Aufgabe, dem Kartell in einer Nummer, die den Standpunkt aller Parteien enthielt, diese wichtige Frage darzustellen. Nachdem die erste Erregung über die Unruhen vorüber war, versuchten wir, in einem weiteren J. St. zu unseren internen Aufgaben zurückzukehren und wieder Aufsätze über die Erziehungsarbeit und die Erziehungsziele des K.J . V. zu bringen. Trotz der Bemühungen; jüngere Bundesbrüder zu Beiträgen an dieser Diskussion heranzuziehen, mußte auch diese Nummer im wesentlichen von Aelteren bestritten werden. So wurde im ganzen versucht, aus unserem Blatt ein zugleich sachlich unterrichtendes wie aktuelles Mitteilungsblatt für das Kartell zu machen. — Sicher sind, wie überall, auch hier manche Fehler vorgekommen. Manches Wort hätte im J. St. gar nicht oder in anderer Form stehen sollen. Hatte ich im Anfang gesagt, wie man versucht hat, uns als einen Kreis von alten, saturierten Spießern hinzustellen, so möchte ich zum Schluß, obwohl ja nicht über unsere Personen, sondern über unsere Arbeit Rechenschaft zu geben ist, doch eins sagen, weil es zum Verständnis unserer Arbeit dient: Dieser heute bekämpfte Kreis ist so „alt", daß mehrere aus ihm neben der Präsidialarbeit noch ihre Hochschulexamina machen mußten. Er ist so „saturiert", daß einige im schwersten Existenzkampf stehen und gezwungen waren, ihre Berufe zu wechseln. Er ist so spießig und bequem, daß wir nur zur eigenen größeren Bequemlichkeit dies Amt, zum Teil zum zweiten Male auf uns genommen und alle unsere Interessen dahinter zurückgestellt haben. — Liebe Bundesbrüder, die einfache Wahrheit ist die: Dies Präsidium umfaßt ältere und junge Bundesbrüder, Bundesbrüder aller politischen Richtungen und. aller Temperamente. Wenn wir trotz dieser Verschiederiheiteti 26