Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Schritt zu genehmigen. Wenn aber Bundesbrüder unter Hinweis auf — m. E. sogar falsch verstandene — Paragraphen unserer Kartellordnung uns gerade wegen dieser Palästina-Aktion angegriffen und persönliche Haftbarmachung angedroht haben, so sage ich von dieser Stelle nur eins: ein Präsidium, das in jenen Augusttagen die Rufe aus Palästina ungehört hätte verhallen lassen, das nicht den Mut zur Verantwortung gefunden hätte, selbst praeter legem zu handeln, hätte seine zionistische und bundesbrüderliche Aufgabe verfehlt. Wir stehen zu dieser Aktion und fordern von dem Kartelltag, daß er sie gutheißt. Dieser Palästina-Kreditfonds, über den genaue Berichte aus dem Lande selbst vorliegen, hat zugleich deutlich die Existenzberechtigung des in diesem Kartelljahr neu geschaffenen Landesverbandes Erez-Israel bewiesen. Als ich im Frühjahr vorigen Jahres im Anschluß an den Frankfurter Kartelltag nach Palästina reiste, hatte ich mir vorgenommen, einen solchen Verband der palästinensischen Bundesbrüder, der so lange fehlte und den das Präsidium in seiner Arbeit als dringend nötig empfunden hatte, mitschaffen zu helfen. Ich habe damals mit vielen einzelnen Bundesbrüdern und bei einer größeren Zusammenkunft in Jerusalem darüber gesprochen und war erstaunt über die Widerstände, die einem solchen Zusammenschluß entgegengebracht wurden. Hatte nicht ein solcher Landesverband des K. J. V. in Erez-Israel die Aufgabe, die Bundesbrüder drüben, trotz ihrer realen, nicht nur theoretischen politischen Gegensätze, zum ersten Male zusammenzuschließen? Konnte er nicht die Basis bilden für gegenseitige Hilfe und zugleich die Verbindung mit einem palästinensischen Organ des Kartells ermöglichen, statt wie bisher nur mit Einzelnen? Ihr wißt, der Landesverband von Erez-Israel ist t r o t z aller Widerstände gegründet worden. Er wird von bewährten Bundesbrüdern geleitet. Es sind auch Ortsverbände des K. J.V. in Jerusalem, Haifa und Tel-Awiw ins Leben gerufen. Das waren dann die Stellen, die sich an uns, an die wir uns während der Unruhen gewandt haben, das sind die Stellen, an die wir uns in allen das Kartell betreffenden Palästina-Fragen wenden; das sind die Organe, die den neu geschaffenen und einen kleineren älteren Fonds verwalten, die für dies Frühjahr die Palästina-Fahrt des K.J.V. zusammen mit uns vorbereiten. Mag man Organisationsarbeit gering oder hoch schätzen; um einen örtlich so zerstreuten, in so viele Altersstufen gegliederten, in jeder Hinsicht so mannigfaltigen Kreis von zweitausend Menschen zusammenzuhalten, dazu gehört ein gutes Stück reiner Verwaltungsarbeit. Diese hat es uns ermöglicht, die Finanzen des Kartells trotz einer ganz erheblich gestiegenen Inanspruchnahme so zu gestalten, daß die früheren Schulden fast um die Hälfte verringert sind, und bei gleichbleibender Arbeit bald ganz getilgt sein werden. Wenn heute dem Kartelltag ein Finanzbericht vorliegt, der eine Steigerung an Beiträgen um 11 000 M. aufweist, so ist das eine einfache und leicht auszusprechende Zahl. Aber es steckt unermüdliche Arbeit hinter diesem Ergebnis, und alle, die unwillig ihre Nachnahmen eingelöst haben, sollten sich doch nachträglich dieses Erfolges freuen. Allerdings wird das kommende Kartelljahr mit wachsenden Ansprüchen von Verbindungen als solchen zu rechnen haben. Wenn auch selbstverständlich große Verbindungen mit eigenen Altherrenbünden sich weiter selbst werden erhalten 25