Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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einen geschlossenen Kreis biMeten, so, weil wir in unserer Orundansehauung als- K. J. V.er übereinstimmten und weil wir in wirklicher täglicher Arbeit verbunden waren. Mir steht keiri Urteil darüber zu, ob von diesem Kreis eine bestimmte Wirkung, über die einzelne sachliche Leistung hinaus, ausgegangen ist. Ob nicht vielleicht seine bloße Existenz schon manche Kräfte wieder geweckt und neu gestählt hat? Sieht man die versuchte Gegenwirkung, so ist man gtntigt, doch an eine bestimmte Wirkung zu glauben. — Wir haben viele Kritiker gefunden, aber nicht zu viele Mitarbeiter. Und wenn wir manchen enttäuscht haben, — auch wir sind von manchen enttäuscht worden . Das ist anderen vor uns so gegangen und wird anderen nach uns so gehen. Aber, liebe Bundesbrüder, es besteht keine Wahl. Das K. J. V. ist die gegebene Stelle, die einzige Stätte, in der zionistische Akademiker in Deutschland beheimatet sind, und in der sie ihre spezifischen Aufgaben zu erfüllen haben. Als Schmarja Lewin einmal in leuchtenden Farben das zionistische Ideal dargestellt hatte und ihm entgegengehalten wurde: wie wollen Sie das erreichen? Die Juden sind doch ein kleines, aber mieses Volk, da erwiderte er: wir haben aber keine anderen Juden. Und das gilt auch für das K. J. V. Mit diesen Menschen, so wie sie sind, nicht mit konstruierten Gebilden, müssen wir die Aufgabe erfüllen. Wer ist skeptischer und zweifelt mehr, als wer Verantwortung trägt? Aber es kommen Stunden, in denen das Gefühl, stärker als der Verstand, ums zeigt: es hat sich doch gelohnt. Als in den Tagen der Unruhen eine Welt zusammenzustürzen schien, eine kleine Welt nur, aber unsere Welt; als wir alle ganz erfüllt waren von dem einen Gedanken: was wird aus dem Werk, mit dem unser Lebensziel, das eine große Ziel unseres Lebens, untrennbar verbunden ist, da fanden nicht nur wir uns täglich zusammen, sondern viele fanden damals den Weg in die Bleibtreustraße, viele, diesonstnicht kamen, Jüngere und Aertere. Viele richteten ihre besorgten Briefe an uns, obwohl wir ihnen kaum mehr sagen konnten, als sie selber wußten. Briefe kamen nicht nur von hier, sondern fast noch mehr aus Erez-Israel. Aber der wirkliche Adressat dieser Briefe war nicht diese oder jene Person, der wirkliche Adressat war das K. J. V. Dieses K. J. V., das uns so viele Arbeit und Sorge macht, in dem wir uns bekämpfen und kritisieren, es erwies sich als etwas Wirkliches, etwas nicht nur Konstruiertes, Organisiertes, sondern geschichtlich Gewordenes, eintragender Boden. Auf diesem Boden stehen wir alle. Nicht in einem Jahr und nicht in zweien ist geschaffen worden, was da ist. Nicht von diesem Präsidium oder von jenem, sondern von Generationen von Bundesbrüdern, die seit 30 Jahren ihre Kraft diesem Bund und seiner zionistischen Aufgabe gewidmet haben. Das soll dieser Kartelltag wissen und auch die kleinen Probleme in den großen Zusammenhängen sehen, die allein unserer und unserer Sache würdig sind. 27