Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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drohenden Gefahren zu begegnen. Die Zahl der Fälle, in denen sich Bundesbrüder mit der Bitte um Hilfe an uns gewandt haben, sind nicht vereinzelt. Das Präsidium hatte in diesen Fällen keine Möglichkeit, aus Karte'llfonds, die nicht vorhanden und zumindest nicht für diese Zwecke bestimmt sind, zu helfen. Es empfand aber die Verpflichtung, die betreffenden Bundesbrüder, z. B. Kranke, nicht im Stich zu lassen. Wir haben dann, dem Kartell nicht bekanntgewordene Sonderaktionen machen müssen, um durch Sonderzuwendungen Einzelner und durch Fürsprache bei anderen Organisationen Hilfe zu bringen. Aber gerade der peinliche Zwang zu Sonderaktionen, die stets doch nur geringen Erfolg haben, erwies zwingend die Notwendigkeit einer systematischen Hilfe, wie sie die Kreditgenossenschaft versucht. Eine besondere Form der Wirtschaftshilfe ist unsere Berufsvermittlung. Auch hier sind wir noch weit entfernt nicht nur von dem Ideal, sondern von dem, was zu erreichen unbedingt möglich sein müßte, wenn nur alle Bundesbrüder stärker mitarbeiten würden, und sei es nur durch den Hinweis auf jede ihnen bekannt werdende Arbeitsmöglichkeit, gleichgültig ob akademischer oder kaufmännischer Art, gleichgültig ob ständige oder gelegentliche. Wie die Dinge sich entwickelt haben, besteht heute für jede Verdienstmöglichkeit Nachfrage im K. J. V. und für vieles sind Kräfte bei uns verfügbar. Auch mit den uns zur Verfügung stehenden geringen Mitteln wurde manches erreicht. K. J.V.er, die sich in unserer Berufsvermittlung lange betätigt haben, arbeiten jetzt im Einvernehmen mit dem Präsidium führend im Verband Jüdischer Ingenieure mit, dessen Aufruf Ihr im letzten J.St. gelesen habt. Handelte es sich in allen diesen Fällen um Einzelaktionen, so reichten solche nicht aus, als die Rufe um Hlfe aus Palästina zu uns drangen. Manche unserer Bundesbrüder, die seit vielen Jahren im Lande sind, waren und sind zum Teil noch heute in ihrer palästinensischen Existenz bedroht. Der Arzt, dessen Instrumente zwar bei den Unruhen intakt blieben, dessen Praxis aber monatelang stillstand, weil arabische Posten keine Patienten zu ihm ließen, der Ingenieur, der seine Stellung verlor, ohne an Leib und Gesundheit geschädigt zu werden, sie fanden bei keiner Stelle Hilfe. Sie spürten nichts von dem Segen der Millionenfonds, und keine Regierung ersetzt ihnen einen Schaden, der nicht Sachschaden ist, sondern „nur" die Existenz selber vernichtet. Hier glaubte das Präsidium, eine Hilfe durch das Kartell als solches, eine sofortige Hilfe einleiten zu müssen. Tatsächlich hat uns auch die Mehrheit der Bundesbrüder verstanden. Hat verstanden, daß es sinnlos ist, andere auf den Weg nach Palästina zu bringen, ohne den Versuch zu machen, die dort Eingewurzelten zu halten. Hat verstanden, daß es über alle allgemeinen zionistischen Verpflichtungen hinaus noch eine besondere Verpflichtung bundesbrüderlicher Art gibt, die selbst durch die Maasserzahlung nicht „abgelöst" wird. Ich will an dieser Stelle mit keinem Wort auf die kartellordnungsmäßige Berechtigung -unseres Schrittes eingehen, ich will Euch nur auf den Bericht der Bundesbrüder in Palästina hinweisen, wie die bisher etwa 7500 M. des Fonds von dem Landesverband als Darlehen vergeben sind und Gutes gewirkt haben, und wil! es/ der Entschließung des Kartelltages überlassen, auf Grund dieser Tatsachen unseren 24