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Der jüdische Student · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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hat, man solle die gesamte Alte Herrenschaft auf 1 M, in der Bilaaz des K. J. V. abschreiben, steht in diametralem Gegensatz zu der Auffassung des Präsidiums. Es wäre, vielleicht, ein idealer Zustand, wenn jeder Alte Herr so intensiv am zionistischen Leben teilnähme, daß für seine Bemühungen imK.J. V. keine Zeit und für die Bemühungen des K. J. V, um ihn kein Bedürfnis bestände, wenn tatsächlich das K.J.V. seine Aufgabe darin erschöpfe, junge Menschen für den Zionismus zu gewinnen und sie so zu erziehen, daß sie hernach ausnahmslos und aus ständigem eigenen Antrieb sich zionistisch bewährten. Von diesem Ideal sind wirleiderweiten tfernt. Es ist nun einmal so, daß auch die Alten Herren Impulse für ihre allgemeine zionistische Betätigung immer wieder aus dem Zusammenhang des K.J.V. entnehmen und benötigen. Es ist nun einmal so, daß die Aktivität in zionistischen, ja in jüdische n Angelegenheiten bei der Mehrzahl derjenigen, die sich überhaupt betätigen, nicht ohne die Anregungen, nicht ohne die Steigerung der Kraft und auch nicht ohne diesen Zwang, der von einem engeren Kreise ausgeht, bestehen bleibt. Hier handelt es sich wieder einmal um Ideal und Wirklichkeit, um menschliche Unzulänglichkeiten, denen wir alle unterworfen sind. Darum brauchen auch wir nichtnur die Alten Herrenfür das Kartell,, sondern das Kartell auch für die Alten Herren. Ein Bezirksverband wie etwa derjenige in Mitteldeutschland, hat gerade in diesem Jahr seine Daseinsberechtigung sinnfällig erwiesen. Die Gründung der Kreditgenossenschaft, die Gründung der Verbindung in Leipzig, wären ohne diesen Bezirksverband nicht möglich gewesen. Deswegen hat sich das Präsidium auch die Altherrenarbeit, ohne zu verkennen, daß gerade hier Arbeitsaufwand zum Nutzeffekt in keinem ermutigenden Verhältnis steht,, unverdrossen angelegen sein lassen. Wir haben nicht nur die Verbindungen,, sondern auch die Bezirksverbandstagungen besucht und in Berlin eine Reihe von großen Versammlungen der Altherrenschaft veranstaltet. Hier zeigte sich zwar die Gegensätzlichkeit der politischen Meinungen besonders deutlich, aber zugleich kam zum Ausdruck, daß die Altherrenschaft ein lebendiger Organismus ist. Nirgends mehr als in der Altherrenarbeit (und die Verschiedenheit der einzelnen Altherrenbünde beweist das) gilt der Satz, daß es überall darauf ankommt, ob einer da ist, der die Anregungen bringt und immer erneut anspornt und zusammenruft. Man ist geneigt, an ein Wort von Sokrates zu erinnern, das die Athener mit einem edlen, aber lässigen Pferd vergleicht und sich selbst mit einer Stechfliege, die von jenem Pferd zwar als lästig und unangenehm empfunden wird, aber doch nötig ist, um dieses lässige Pferd überhaupt in Bewegung zu bringen. Es ist im J.St. über eine Zusammenkunft im Mai berichtet, in der die Gründung einer wirtschaftlichen Hilfsorganisation erstmalig erörtert wurde. Von Jahr zu Jahr zeigt sich deutlicher die Notwendigkeit, die Sicherung der Existenzen unserer Bundesbrüder mit in den Bereich unserer Aufgaben zu ziehen, da letzten Endes Menschen, die existenzlos sind, auf die Dauer weder zionistische noch Palästina-Arbeit leisten können. Die Entwicklung in Polen sollte den deutschen Juden eine Mahnung sein, rechtzeitig den

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