Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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den Kartelltagen geklagt wird, vom Druck der Anwesenheit Aelterer zu befreien, zur freien Aussprache zu veranlassen. Zweierlei scheint mir sicher: es ist richtig, daß die Arbeit auf diesem Gebiet in ihren Erfolgen unbefriedigend war; es ist aber unrichtig, ein Idealbild des sofort Erreichbaren zu zeichnen und die Nichten* eichung allein dieser oder jener „Stelle" zum Vorwurf zu machen. Von den drei Aufgaben, die jede Kartellerziehung hat: der eigentlichen Eingliederung des jungen Bundesbruders in das Kartell und die zionistische Gedankenwelt, der grundsätzlichen Erörterung der Richtlinien unserer Erziehung und der Palästina-Erziehung fällt das erste Gebiet ganz vorwiegend der Aktivitas selber zu. Es ist in erster Linie Sache des C. C, den Werdegang der Bundesbrüder in den Verbindungen» zu beeinflussen, es ist Sache der Burschen, die Füchse zu erziehen, und nirgends mehr als hier gilt der Satz: was jemand heut gelernt hat, muß er morgen anderen weitergeben. Der „Schrei nach dem Alten Herrn" und dem Erziehungsleiter auf Gebieten, die spezifische Gebiete der Arbeit der Aktivitas sind, steht manchmal in einem auffallenden Gegensatz zu der Geringschätzung gegenüber Altherrenfragen sonst. So oder so: es ist nicht zu verkennen, daß eine einheitliche Gestaltung, über den Rahmen eines Unterrichtsschemas hinaus, nicht durchgeführt werden konnte. Es ist auch nicht zu verkennen, daß die Erstchargiertentagung, auf ein zu enges Thema beschränkt, zu keiner fördernden Lösung der Gesamtprobleme unserer jungen Bundesbrüder geführt hat. Hier liegen nach wie vor noch alle Aufgaben vor uns, und es wird dem Wunsch aller entsprechen, wenn im kommenden Jahr junge Bundesbrüder auf diesem ihm eigensten Gebiet leitend mitarbeiten. Das äußerlich so erweiterte, innerlich so beschaffene Kartell hat im letzten Jahre einen gleichsam natürlichen Zuwachs von 147 Bundesbrüdern, denen die Nichtaufnahme einer großen Zahl anderer gegenübersteht. In den Berichten der Verbindungen finden sich immer wieder die Bemerkungen, daß soundso viele Keilfüchse für nicht geeignet befunden, daß diese und jene Füchse als unbrauchbar abgegeben wurden, andere von selbst ausgetreten sind, weil sie sich nicht einfügen konnten. Das Präsidium hat diese Auswahl den Konventen der Verbindungen frei überlassen. Soweit das Auswahlprinzip in der Beurteilung des Charakters, in mangelndem Arbeitswillen oder in mangelnder Zuverlässigkeit gesehen wird, können nach unserer Auffassung die Maßstäbe nicht streng genug sein. Dagegen darf nicht verkannt werden, daß das Kriteriifm der Intelligenz, zumal wenn 19- und 20jährige über die Intelligenz 18- und 19jähriger entscheiden, nicht in allen Fällen bedenkenfrei ist. Die gleichsam natürliche Anziehungskraft des Kartells zeigte sich nicht nur in der Neuaufnahme so vieler junger Bundesbrüder, sondern auch in dem im Vorjahr begonnenen, in diesem Jahr fortgesetzten Wiedereintritt früherer Bundesbrüder. Dem steht allerdings eine erhebliche und wachsende Zahl von Austritten gegenüber, im wesentlichen infolge des Drängens auf Erfüllung der Maasserpflicht. Unmittelbar vor dem Kartelltag ging gerade der Bericht eines Bezirksverbandes ein, bei dem auf e i n - m a 1 vier Alte Herren aus diesem Grunde ausgetreten sind. Der Kartelltag wird, wie es ja auch die K. H.-Kommission in ihrem gedruckten Bericht gesagt hat, erneut zu prüfen haben, ob auf diesem Wege, und zwar dann 4 21